U-Musik

15. Internationales Taubertal-Festival
12. bis 15. August


Das Taubertal-Festival in Rothenburg o.d.T. hat sich längst bundesweit etabliert und wird auch im Jubiläums-Jahr ausverkauft sein. Mehr als 30.000 Gäste kommen jedes Jahr auf die Eiswiese. 2010 um u.a. die Headliner Jan Delay & Disko No° 1, Fettes Brot, Skunk Anansie, Bela B. und The Hives zu sehen. Aber auch der Nachwuchs kommt im Zuge des beliebten europäischen Emergenza Newcomer-Finales zum Einsatz. Mitten in ursprüglicher Natur geht hier seit Jahren eine gigantische, friedliche Party ab. Sounds For Nature zeigt dabei Wege und Möglichkeiten, wie man Natur und Umwelt schützen kann, ohne den Spaßfaktor zu beeinträchtigen. Zudem gibt es ein umfangreiches, aber nicht übertriebenes/überteuertes Rahmenprogramm. Infos und Tickets über www.taubertal-festival.de
Frank Keil



The Moon Invaders
Live - Ancienne Belgique Grover Records, Gro-CD 109, CD 5 Sterne


Wirft man einen Blick hinter die Kulissen der belgischen Band The Moon Invaders, wird schnell klar, warum die neunköpfige Formation um die singenden Hardison-Brüder weltweit zu den gefragtesten Acts der Ska-Szene zählt. Bereits mit dem selbstbetitelten Debüt (2003), sowie den nicht minder erfolgreichen Alben "Breakin´ Free" (2005) und "moovin ´n´ groovin´!" (2007) haben sich die professionellen Künstler stilsicher der jamaikanischen Musik der 60er Jahre verschrieben. Was lag näher als jetzt den unverwechselbaren Charme der Band mit einem 18 Titel umfassenden Live-Album zu würdigen? Vom Opener "I Believe" über "Can´t Keep A Good Man Down" bis hin zu "Natchez Street" unterstreichen die Wallonen auf "Live-Ancienne Belgique" mit Nachdruck ihr kreatives Ausnahmepotential. Energie pur, Melodien die ins Ohr gehen, spannungsgeladene Harmonien und überschäumende Partystimmung machen aus der CD eine Art Moon Invaders-Best Of. Die im Ancienne Belgique Club in Brüssel aufgenommenen und von Schlagzeuger Leonard im bandeigenen Studio abgemischten Titel unterstreichen jedoch noch mehr: Das feine Gespür der Formation, überzeugende Eigenkompositionen Marke "Walk Don´t Run" mit klassischen Covern wie z.B. "Soon You´ll Be Gone" (The Blues Busters) erfolgreich abzuwechseln.
Frank Keil



Gentleman
Diversity (Universal Music)


Mit seinem fünften Album "Diversity" bleibt Gentleman Deutschlands erfolgreichster Reggae-Sänger. Was 1999 mit dem Debüt "Trodin On" für ein Szenepublikum begann, ist 2010 längst im Mainstream angekommen. Gab es auf der letzten Veröffentlichung "Another Intensity" über Längen noch einige musikalische/textliche Schwachstellen, haben derLabelwechsel und ein Gesundheitsprogramm ihre Wirkung nicht verfehlt. Kreativ, aber durchaus selbstkritisch, präsentiert Gentleman auf der regulären neuen CD 19 Titel, von denen mehr als einer Chartpotential zwischen Reggae und Dancehall aufweist. Die stilistische Vielfalt ist größer denn je und trotz immer wiederkehrender Gesellschaftskritik bietet das Album eine Vielzahl wunderschöner Melodien. Veredelt haben die Aufnahmen zwischen Köln und Kingston vor allem seine Begleitmusiker von Evolution sowie Produzent Don Corleone. Und last but not least hebt vor allem die musikalische Zusammenarbeit mit nahmhaften Gästen, darunter Luciano, Tanya Stephens, Cassandra Stehen und Partrice den kreativen Output Gentlemans auf ein neues Level.
Frank Keil



Sebastian Hämer
SH 2010 Flugplan 2 (Darss Records)


“Sommer unseres Lebens”. So schnell wie der deutschsprachige Sänger mit dieser Single via 3p (Moses Pelham & Martin Haas) im Jahr 2006 die Charts stürmte, so schnell verschwand er dann aber auch wieder aus dem öffentlichen Interesse. Was 2010 nach dem Labelwechsel auf seinem neuen Album „SH 2010 Flugplan 2“ blieb, ist die stilsichere Liebe Hämers für Pop und Soul, die sich auf seinem zweiten Soloalbum in 16 Songs widerspiegelt. Thematisch und musikalisch setzt der norddeutsche Sänger auf Abwechslung – und auch wenn ihm kein Hit Marke „Sommer unseres Lebens“ gelingt, ist er mit Titeln wie „Nur Eine Weile“ feat. Valezka oder „Steig Mit Ins Boot“ nicht weit davon entfernt. Und scheinbar mühelos ist es ihm gelungen, das alle Stücke verbindende Element, seine einzigartige Stimme, erneut abwechslungsreich einzusetzen.
Frank Keil



Rantanplan
Halt´s Maul-Mach Musik! (Tapete Records/Indigo)


1996 das Debüt: "Kein Schulzerklopfen (Gegen den Trend)". Damals noch mit Marcus, Lars und Reimer, heute bei Kettcar. An der knallig treibenden Mischung aus Punk und Ska hat sich in dreizehn Jahren wenig verändert, Rantanplan sind stilistisch ihren Wurzeln treu geblieben, singen weiterhin auf Deutsch. Der auch in lyrischer Hinsicht stets anspruchsvolle und kritische Skacore wurde auf mehreren Alben (zuletzt erschien 2007 die CD "20359") perfektioniert und jetzt war die Zeit einfach reif für eine Best Of-Zusammenstellung. Live aufgenommen im Oktober 2009 in Hamburg/Fabrik, verdient "Halt´s Maul-Mach Musik! zweifelsohne den Titel Best Of. 27 Songs, annähernd 80 Minuten Spielzeit, alles Knüller-keine Füller, so lässt es sich einfach auf den Punkt bringen. Und von "Durch die Nacht fällt Schnee", "Meine Liebe Stirbt" und "Hamburg 8° Regen" bis hin zu "Peking Bordell" fehlen nur wenige wirkliche Hits der Band.
Frank Keil



Funny van Dannen
Die Poesie des Alltäglichen


Auch mit seiner insgesamt elften CD "Saharasand" (JKP/Warner) bleibt der musikalische Entertainer aus Berlin der deutschsprachigen Poesie des Alltäglichen treu. Nach wie vor gibt es für den Sänger, Gitarristen und Percussionisten, der mit Frau und Kindern schon lange in seiner Wahlheimat Berlin lebt, keinen Grund sich vom Ursprungskonzept zu entfernen. Denn der Erfolg, der sich seit dem Debütalbum "Clubsongs" (1995) mit Hits wie "Nana Mouskuri" und "Als Willy Brandt Bundeskanzler War" einstellte, ist ihm bis heute treu geblieben. Und längst hat er den Geheimtippstatus hinter sich gelassen. Rechtzeitig zum Konzert am 26.11.09 in Erlangen/E-Werk plauderte der charmante 51jährige Funny van Dannen mit dem plärrer über sich und seine Karriere.

Plärrer: Auf "Saharasand" hälst Du an der sparsamen Instrumentierung fest, allerdings steht Dir dieses Mal Vincent Sorg als Produzent zur Seite. Herausgekommen sind wieder garndiose Titel, kllasse Songs, ein großartiges Album.

Funny van Dannen:Danke für das Kompliment! Ja, durch den Einsatz von Orgel, Akkordeon, Piano und sonstiger Instrumentierung bekommen die insgesamt 21 von Vincent produzierten Stücke einfach mehr Vielfalt. Mit ihm klappt es wirklich gut, so wie früher mit Peter Pichler von No Good zu Trikont-Label-Zeiten. Bei den kommenden Livekonzerten der Tournee werde ich allerdings nur meine Gitarre als Partner dabeihaben. Ich habe ja früher auch in Bands Musik gemacht, die haben es aber bis auf die Lassie Singers nicht so weit gebracht und irgendwann fand ich dann mit der Liedermacher-Sache endgültig meine Berufung.

Plärrer: Was bleibt, ist der humorige Tiefgang Deiner Titel, Du kannst nach wie vor in drei Minuten die Welt erklären. Die ´Zeit´ nante Dich einen ´Genie des Trivialen´. Trotz der illustren Texte stößt Du beim den HörerInnen immer wieder auf Bekanntes. Wo entstehen die auf den ersten Blick so abwegig klingenden Lieder wie "Katzenpissepistole", "29 Marienkäfer" oder "Pflanzendisco"? Woher kommen die Themen?

Funny van Dannen: Ich habe eigentlich kein Thema. Das Thema ist das Leben. Da gibt es keine Einschränkungen. Letztlich stammen viele meiner Songs aus dem Alltag, ich nähere mich ihm eben einfach lässig, humorvoll und charmant. Ich arbeite da sehr intuitiv. "29 Marienkäfer" z.B., ist in der Küche meiner Eltern entstanden, als ich zu Besuch bei ihnen war. Ich versuche Träume von Glück und Liebe, trotz Ungerechtigkeiten und sozialer Probleme zumindest in meinen Songs Wirklichkeit werden zu lassen. Gefühle und Beobachtungen werden dann einfach zu kleinen Geschichten.

Plärrer: Das echte Leben als gereimtes Konzentrat. Du bist aber nicht nur Liedermacher, sondern auch Autor (zuletzt erschien "Zurück zum Paradies" 2007 beim Kunstmann Verlag, München) und Maler. Welches Gewicht haben diese anderen beiden Tätigkeiten für Dich?

Funny van Dannen: Sie ergänzen sich prima und sorgen für Abwechslung, die den Rhythmus aus CD aufnehmen und auf Tournee gehen auf angenehme Art und Weise unterbrechen und so meine Kreativität wesentlich fördern. Schreiben, Dichten und Malen sind eben auch ein Teil meiner kreativen Arbeit.

Plärrer: Viele andere Künstler und Bands wie z.B. Udo Lindenberg oder Die Toten Hosen (zu deren Label JKP Du 2007 von Trikont wechseltest) haben Songs von Dir gecovert. Wie schwer fällt es Dir als Sänger/Songwriter sie in einem anderen musikalischen Kontext zu hören?

Funny van Dannen: Es muss schon eine gewisse Übereinstimmung zwischen mir und den Künstlern/Bands geben, bevor ich mein OK zum Cover gebe. Es ist auch durchaus schon vorgekommen, dass ich Anfragen abgelehnt habe, oder am Ende mit dem Ergebnis doch nicht so zufrieden war.

Plärrer: Wie sieht es mit dem Erfolg im Ausland aus? Wird Deine Musik über den deutschsprachigen Raum hinaus wahrgenommen?

Funny van Dannen: Ich stamme ja aus Tüddern, einem Dorf an der holländischen Grenze. Ich bin zunächst im Limburger Dialekt, meiner Muttersprache aufgetreten, habe erst später auf Deutsch gesungen. Vielleicht könnte ich auf Englisch mehr Leute erreichen, mehr Geld verdienen, aber ich bin zufrieden, so wie es ist. Tourneen in Deutschland,Österreich und der Schweiz reichen mir. Ich denke, ich liebe das Leben mehr als den Erfolg.

Mehr zu Funny van Dannen unter www.funny-van-dannen.de
Frank Keil



La Brass Banda
Übersee (Trikont)


Bauern-Ball auf einem Dorf-Tanzboden? Weit gefehlt, denn zwischen Gypsy Brass, Bayerischer Volksmusik und Ost-Folklore haben sich La Brass Banda vom Chiemsee aus mit ihrem High Energy-Mix europaweit etabliert. Seit der ersten CD "Habediehre" (2008) genießt das Quintett aus drei Bläsern, Bass und Schlagzeug definitiv Kultstatus. Ausgiebige Tourneen haben das musikalische Spektrum auf "Übersee" mit seinen 13 Titeln von "Bierzelt" über "Des Konnst Glam" bis hin zu "Doda Hos" nochmals weiter werden lassen. Der Rhythmus stampft, der Bass gibt die Tiefe, darüber mit aller Kraft Trompete, Posaune und Tuba. Die Texte bayerisch, die Themen nah am Leben. Das funktioniert international, vielleicht auch weil die Musiker aus so unterscheidlichen Genres wie Klassik, Jazz und Elektro kommen. Brass-Pop mit funky Grooves, der den Dancefloor auf bayerisch anzündet, entstanden in ihrem eigenen Studio in Zusammenarbeit mit Toningenieur W. Löster. Grosses Kino, dass sich gelegentlich auch ruhige Momente wie bei "VW-Jetta" oder "Ofree" gönnt und trotzdem zu 100% überzeugt.
Frank Keil



Manu Chao
Baionarena (Warner Music)


Fast eine Million Exemplare seines Albums "Radiolina" gingen seit 2007 an die zahlreichen Fans in aller Welt und bescherten Manu Chao eine Grammy®-Nominierung. Verdientermaßen, denn das Album des unbequemen Querdenkers brachte die Fusion aus lateinamerikanischen Klängen, Popstrukturen und politisch-künstlerischer Aussage auf den Punkt wie kaum ein zweites zuvor. Eine Platzierung auf Position 5 der Charts zeigte zudem, wie eisern auch die deutschen Fans dem Weltreisenden die Stange halten, und das Medienecho auf das Album war dementsprechend auch bei uns überragend. Zwei Jahre lang tourte der ex-Mano Negra-Mastermind nach der Veröffentlichung des Albums quer über den Planeten und spielte über 100 Gigs vor insgesamt mehr als drei Millionen sowohl auf seiner eigenen Headliner-Tour, als auch auf hochkarätigen Festivals von Russland bis San Francisco. Die Essenz der Tour erscheint nun auf einer sensationellen Doppel-CD/DVD La Baïonarena, die den Sänger/Gitarristen und seine Band Radio Bemba in definitiver Bestform zeigt. Über zweieinhalb Stunden Manu Chao bietet "Baionarena", die in der Bayonne Arena in Südfrankreich aufgenommen wurde. Allein 33 Songs enthalten die Audio-CDs, darunter natürlich die unverzichtbaren Hits "Mr. Bobby", "Radio Bemba", "Bienvenida A Tijuana", "Rainin´ In Paradiz"e, aber auch eine ganze Reihe von Songs, die bisher auf keinem Album erscheinen sind. Nicht weniger prall gefüllt auch die DVD, die neben sämtlichen Live-Tracks auch sechs Videos aus "Radiolina" enthält. Eine umfangreiche Fotosammlung von der Tour, Clips und Bonusmaterial rundet die DVD ab, das Gesamtpaket ist zudem mit einem 16-seitigen Booklet ausgerüstet.
Frank Keil



Bernd Begemann & Die Befreiung
Ich erkläre diese Krise für beendet (tapete records)


Nur ein Jahr nach dem Begemann-Best Of-Album >>Glanz<<, auf dem es zahlreiche seiner Klassiker in Band-Version zu hören gab, legt das Quartett mit >>Ich erkläre diese Krise für beendet<< ein neues Album vor. Nach wie vor geht Bernd Begemann mit der deutschen Sprache fast einzigartig um und erweitert seine 1987 begonnene Diskographie um 13 außergewöhnliche Titel. Großes Entertainment Marke >>Weil Deine Liebe Mich Führt<< oder >>Ich identifiziere mich nicht mit der Firmenphilosophie<<. Lieder, vor allem über die Liebe mit all ihren Facetten, zum Genießen, zum Lautaufdrehen, zum Feiern. Wundervoller, deutschsprachiger Pop/Rock in Topform. Einen besseren Entertainer als Bernd Begemann kann man sich kaum vorstellen. Musikalisch ziehen Bernd und seine Mitstreiter wieder zahlreiche Register ihres Könnens, Indie und Glamour fusionieren hervorragend. Gib ihm eine Gitarre und er wird für immer spielen. In diesem Fall mit Band.
Frank Keil



V.A. The Spirit Of Ska
(Pork Pie/Broken Silence)


Das erste bedeutende Ska-Label aus Deutschland startete 1989 mit dem Sampler "Ska.. Ska.. Skandal No. 1", eine Art Bestandsaufnahme der damaligen Ska-Szene. Bands der ersten Stunde hießen Blechreiz, The Butlers, El Bosso & die Ping Pongs oder Skaos (übrigens alle noch oder wieder musikalisch aktiv), machten Ska aus Deutschland weltweit populär und prägten das Gesicht des Berliner Pork Pie-Labels von Mastermind Matzge entscheidend mit. Die musikalische Bandbreite reichte über alle Jahre hinweg von Ska über Reggae und Rocksteady bis hin zu Pop und Punk, geblieben ist eine äußerst vielfältige Szene, via Internet mittlerweile auch weltweit vernetzt. Die zweite Jubiläums-Ausgabe des "Spirit Of Ska"-Samplers, fachmännisch zusammengestellt von Dr. Ring-Ding aus Münster, präsentiert sogar einige eigens für den Geburtstag eingespielte Titel und lässt von Blascore über Stan Or Itchy bis hin zu Blechreiz keine Ska-Wünsche offen. Matzke, weiter so!
Frank Keil



Else Admire Disco Solution
Top Dance Hits (Pyromusic/Our Distribution)


Schlager, Trashrock und Garagepunk - Else Admire hat sich zusammen mit seiner Begleitband, den Breitengüßbach Dolls, seit 1991 auf zahlreichen Formaten verewigt. Jetzt will der gelernte Metzger seinen bislang wohl größten Hit "Metzgereiverkäuferin" (1994) mit Dancefloor Musik der 70er Jahre toppen. In Zusammenarbeit mit DJ und Produzent Scratch Dee entstanden fünf Songs, angefangen bei "Banana Milkshake" bis hin zu "Dancing In A Disco". Funktionale Musik, die weniger dem Zuhören dient (die Texte spielen kaum eine Rolle), sondern primär dem Tanzen. Nicht weiter verwunderlich also, dass das Ergebnis in die Beine geht und die zahlreichen Fans des fränkischen Kultsängers schon bald Titel wie "Umbalaka Chumba" unablässig mitsingen werden. Auch wenn es hin zur Qualität von KünstlerInnen und Acts wie Donna Summer, Boney M., John Travolta oder Sister Sledge eher noch ein weiter Weg für Else Admire Disco Solution ist. Mal sehen, mit welcher musikalischen Überraschung er zukünftig aufwartet.
Frank Keil



Max Herre
Ein Geschenkter Tag (Four Music/Sony Music)


Zwei Jahre nach dem Freundeskreis Jubiläums-Album "FK10" präsentiert Mastermind Max Herre mit "Ein Geschenkter Tag" eine neue Solo-CD. Es ist das bisher persönlichste Album seiner musikalischen Laufbahn geworden. Zwischen "Blick Nach Vorn" über "Weg Von Hier" bis hin zu "Wir Haben´s Gesehen" beschreibt der Stuttgarter Künstler mit Wahlheimat Berlin die künstlerische und menschliche Entwicklung seines Lebens der letzten zwei Jahre in poetischen Episoden. Produziert wurde das Album von Max Herre und seinem Studiopartner, dem Nesola-Künstler Samon Kawamura sowie zahlreichen alten Weggefährten, darunter auch Label-Kollege Clueso. Aufgenommen wurde innerhalb einer Woche, wofür Max Herre ein Quartett herausragender Musiker zur Seite stand. Auch wenn keiner der Songs an die Qualität von "Mit Dir" oder "1ste Liebe" (jeweils mit Ex-Frau Joy Denalane) heranreicht, bleibt Max Herre im deutschen Musikbusiness eine Klasse für sich.
Frank Keil



Veranstaltungsclub Sound n´Arts/Bamberg
Neue Live-Location etabliert sich in der Weltkulturerbestadt


´Von der Szene für die Szene´ lautet das Motto in der Oberen Sandstrasse 20 in Bamberg. Dort, mitten in der Partymeile des ´fränkischen Roms´, hat sich seit Herbst 2008 nach Pächterwechsel und mit einem neuen Team der Veranstaltungsclub Sound n´Arts etabliert. Mit einer facettenreichen Programmfülle versucht das Team um Geschäftsführerin Katharina Bauer und Booker Frank Keil abseits des Mainstream Musik & Kultur zu verbinden. Der Gewölbekeller verfügt über eine Kapazität von 150 Besuchern, wird er komplett ausgeräumt, finden wie bei den ´sold out´-Shows u.a. von NoRMAhl, Al & The Black Cats oder den Peacocks auch bis zu 200 Personen Platz im Untergrund. Technik und Bühne sind der Clubgröße angemessen, Getränke- und Eintrittspreise äußerst gastfreundlich gehalten. Und die Zigarette darf mitgebracht werden, da das Sound n´ Arts ein Raucherclub ist. Bezüglich der Pogrammgestaltung gibt uns Booker und plärrer-Autor Frank Keil einige Auskünfte: "Wir versuchen mit unseren Veranstaltungen eine Lücke zwischen Morph Club und Live-Club zu schliessen, die auch regional konkurrenzfähig ist. Aufgrund meiner langjährigen Tätigkeit als Musik- und Kulturjournalist, als DJ und Tourbegleiter verfüge ich über gute nationale und internationale Kontakte, die es ermöglichen auch Bands zu holen, die sonst nicht in Bamberg spielen würden. Stilistisch gibt es daher viel Ska, Reggae & Rocksteady, Punk, Soul und Rockabilly. Bands wie die Moon Invaders (Belgien), The Hotknives (England), The Onedroppers (Italien), Spitfire (Russland) oder die Kamikaze Queens (USA/D) haben bei uns schon für Party-Highlights gesorgt. Aber auch regionale Acts wie u.a. Shark Soup oder die Bullet Monks, stehen neben lokalen Künstlern bei uns auf der Bühne." Daneben gibt es die obligatorischen Studenten-Parties und die allseits beliebte Sonntag-Abend Jam-Session mit MusikerInnen unterschiedlichster Richtungen. "Generell sind wir offen für jede Anfrage, ob von HipHop über Elektronik und Rock bis hin zu World und Folk. Natürlich sehen wir es auch gerne, wenn sich lokale/regionale Künstler in Sachen Veranstaltungen selbst mit einbringen" ergänzt Katharina Bauer. Und gerade, weil es in den Sommermonaten überall schwerer ist, das Publikum in einen Club zu locken, verspricht das SnA-Programm trotzdem Hochkarätiges: Folkpunk mit der kanadischen Band The Real McKenzies am 23.07. (VVK über www.bvd-ticket.de), die brasilianischen Top-Acts Mahnimal (15.08.) und Napalma (29.08.) auf Europatournee, sowie Doreen Shaffer (Voice of The Skatalites, 24.09. t.b.c.) und die abgedrehte italienische Band, The Legendary Kid Combo am 09.10. Wie man sieht, ein Besuch lohnt sich also zu jeder Jahreszeit, für weitere (Programm)-Infos, Kontakt und Feedback besucht einfach die Webseite www.sound-n-arts.com

fk

Prague Ska Conspiracy
Lies For Everyone (Grover Records/SPV)


Mit Eigenkompositionen/Hits wie "Madness", "Prague City Lovers" oder "Robin´ & Stealin´" konnte die Prague Ska Conspiracy um Sängerin Mariana Wesley und Gitarrist Kuba Sinor bereits auf dem Debüt "Life On Ropes" ihr Publikum zwischen Ska, Reggae, Rocksteady und poppigem Punk begeistern. Nicht weiter verwunderlich also, dass nun mit "Lies For Everyone" ein überzeugender Nachfolger präsentiert wird, nachdem die Band in ihrer Heimat längst Starruhm genießt. In bewährter Zusammenarbeit wurden mit Produzent Koula 11 Titel aufgenommen, die stilistisch an den Vorgänger anknüpfen. Von "I Want It All" über "Dancing Romance" bis hin zu "Raise The Hell" spannt sich der abwechslungsreiche Ska-Bogen, wobei den tschechischen Stars mit dem letzten Track der CD ein wirklicher Sommerhit gelungen ist. Und wenn sie zukünftig noch die Aussagekraft ihrer Lyrics verbessern, steht der Krönung zu einem Top-Act der weltweiten Ska-Szene nichts mehr im Weg. Denn auf der Bühne sind Mariana Wesley & Band sowieso kaum zu stoppen, was sie hoffentlich schon bald wieder auf einer Deutschland-Tournee unter Beweis stellen werden.
Frank Keil



Jaquee
Kokoo Girl (Rootdown Records)


Auch auf ihrem dritten eigenen Album "Kokoo Girl" lässt sich die ugandische Sängerin Jaquee musikalisch nicht auf ein Genre festlegen. Anfang der 90er Jahre nach Schweden immigriert, nutzte sie von Göteburg aus die Gelegenheit, ihre musikalische Karriere mit den Alben "Blaqalixious" und "Nouvelle D´Amour" voranzutreiben. In Zusammenarbeit mit der Bohuslänbigband enstand danach die Hommage "A Letter To Billie", gewidmet der legendären US-Jazzsängerin Billie Holiday. Die afrikanische Künstlerin bewegt sich mit den 12 neuen, von Produzent Teka (u.a. Koalas Desperados) eingespielten Titeln jetzt stilsicher zwischen Gospel, Soul, R&B und Reggae. Ihre Stimme, die vorwiegend Old School Reggae mit aktuellen Beats vereint, ist eine der geistigen Freiheit, die den Reisenden ausmacht und von den Sesshaften sehnsuchtsvoll gehört wird. Und mit Stücken wie "Natty Dread" oder "Land Of The Free" überschreitet Jaquee weiterhin Grenzen, ähnlich wie vergleichbare Acts Marke Nneka oder The Delegators.
Frank Keil



Queen Ifrica
Montego Bay (VP Records)


Ventrice Morgan alias Queen Ifrica ist derzeit die wohl erfolgreichste jamaikanische Sängerin, die mit "Montego Bay" ein beindruckendes Album im musikalischen Spannungsfeld zwischen Reggae und Dancehall abliefert. Die Tochter von Ska-Legende Derrick Morgan vereint heute als 34jährige zahlreiche Fähigkeiten, darunte eine außergewöhnlich wandlungsfähige Stimme, hervorragende Songwriterqualitäten und eine mitreißende Bühnenperfomance. Unter den 13 Titeln der CD, befinden sich mit "Lioness On The Rise", "Far Away" oder "In My Dreams" gleich mehrere hitverdächtige Kompositionen, allen voran "Daddy" (das die Thematik Inzest eindringlich thematisiert) in englischer und spanischer Version. Dazwischen werden bei Stücken Marke "Coconut Shell" oder "Yad To The East" ihre musikalischen DJ-Wurzeln hörbar, ebenso zieht sich ihr Rasta-Glaube durch die gesamte Tracklist, was ihre CD von zahlreichen anderen Produktionen wohltuend unterscheidet.
Frank Keil



Bif Naked
The Promise(International Arts/Intergroove)


Eine faszinierende, lebenshungrige und äußerst kreative Powerfrau, die trotz aller Aggressivität im Klangbild ihre weibliche Seite nicht verleugnet. Die Rede ist von Beth Hopkins alias Bif Naked, seit den frühen 90er Jahren ein Eckpfeiler der Alternative Rock-Szene ihrer Heimat Kanada. Trotz erfolgreicher Alben, zuletzt erschien "Superbeautifulmonster" 2006, blieb sie hierzulande immer ein Geheimtipp. Daran wird sich wohl auch mit "The Promise" wenig ändern. Ein Album mit 13 Titeln von "Crash And Burn" bis "Welcome To The End", Songs zwischen Gefühl und Härte, auf denen die extrem tätowierte Sängerin vor allem ihre erfolgreich überstandene Brustkrebserkrankung verarbeitet. Insgesamt also wieder ein schillerndes musikalisches Statement, auf dem sich mit Stücken wie "Fuck You 2", ""Red Flag" oder "My Innocence" durchaus hitverdächtige, raue und ehrliche Uptemponummern, verträumte Balladen und melodische Rocktitel befinden. Vorgetragen mit der gleichen Kraft und Leidenschaft, die schon Erfolge wie "Daddy´s Getting Married" und "Spaceman" vor mehr als 20 Jahren auszeichnete.
Frank Keil



Sportfreunde Stiller
MTV Unplugged In New York (Blickpunkt Pop/Universal)


Im Sommer 2006 der Höhepunkt ihrer bis dato zehnjährigen Karriere: Das WM-Album auf Platz 2 der deutschen Charts, die Single auf Nummer 1, die Band zusammen mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft auf der Bühne der Berliner WM-Abschlussfeier. Ein Jahr später haben die Gipfelstürmer des deutschen Alternative-Pop/-Rock erfolgreich nachgelegt, das vierte Album >>La Bum<< erfreute sich großer Beliebtheit bei Fans und Medien. Und auch 2009 stürmen Peter Brugger (Gitarre), Florian Weber (Schlagzeug) und Rüdiger Linhoff (Bass, Fußorgel) mit MTV Unplugged In New York<< die Charts. Auf der Doppel-CD gibt es 26 mal Sportfreunde Stiller pur aus der Acoustic Avenue, veredelt von Gästen wie Meret Becker, Billy & Charlotte (The Subways) und Udo Jürgens, wie könnte es anders sein - auf >>Ich War Noch Niemals In New York<<. Und in die Setliste aus alten Hits fügen sich die drei neuen Stücke >>Hallo Du<<, >>Lass Mich Nie Mehr Los<< und >>Supersonnig<< nahtlos ein.
Frank Keil



Frank Popp
Direkte Hits aus Düsseldorf


Abseits von Oldie-Parties und muffiger Bierzelt-Romantik hat Frank Popp in den letzten Jahren mit den zwei Alben "Ride On!" (2001) und "Touch And Go" (2005) erheblichen Anteil daran, dass Musik für Beatniks, Mods, Garage-Fans und Psychedelic-Anhänger den Weg in den Mainstream fand. Nicht zuletzt durch den Radiohit "Hip Teens Don´t Wear Blue Jeans" der 2003 via Werbung (Coca-Cola) für Aufmerksamkeit bei Fans und Medien sorgte. Dank zahlreicher DJ-Sets und Auftritten mit dem Frank Popp Ensemble wurde der Düsseldorfer Grafikdesigner/Musiker weltweit ein Begriff zwischen Garage-Punk und souligem Power-Pop. Im Studio und auf der Bühne von wechselnden MusikerInnen unterstützt, setzt er nun seine Karriere mit Album Nr. 3 fort.

Ab 2008 hat's gerappelt in Popp's Studio, dort sind ca. 20 Stücke entstanden, 14 kamen letztendlich aufs neue Album "Receiver". Die erste Single "Hey Mr. Innocent" erschien bereits Ende 2008 als Download, im Frühjahr diesen Jahres als Limited-Edition-Vinyl-Single und liess bereits darauf schliessen, wohin die Reise geht: Frank Popp kehrt nach souligem Pop-Exkurs zu seinen Wurzeln zurück - Gitarrensounds! In rund 15 Monaten entstanden einige Instrumentals (Worte sind Schall und Rauch), bei denen teilweise die Gitarristen Peter "Jem" Seifert und Georg Brörmann entweder als Co-Writer oder Studio-Gitarristen massgeblich beteiligt waren. Im Anschluss wurde probiert, produziert und experimentiert bis der neue Popp-Sound am Start war. Samples, Streicher und Bläser treten mehr in den Hintergrund, Gitarren und Tasteninstrumente hingegen nach vorne. Der Set-Up-Sound des Albums sollte aufs Wesentliche reduziert werden, mehr nach dem Live-Sound der Band klingen. So hat auch Drummer Alex Jezdinsky (Naked Lunch) auf allen Stücken getrommelt, was ebenfalls neu für Frank Popp ist, denn auf den ersten beiden Alben wurden die Drums ausschliesslich aus Samples gebastelt. Die Grundidee für das neue Album war neben der Sängerin Sam Leigh-Brown weitere Gastsänger einzuladen um auf die von Popp produzierten Instrumentals ihr Bestes zu geben. So ist bei "Countdown To The Sun" Aydo Abay zu hören, ehemaliger Blackmail-Frontmann, der mit seiner I-Am-Klootigen Sangeskunst dem folkigen Track zu bezaubernder Brillianz verhalf. Auf der aktuellen Single-Auskopplung "I Don't Mind" ist der walisische Sänger Andy Jones zu hören, dessen Roseville Band derzeit in UK steil geht und vom NME als "Kings Of Leon von Wales" betitelt wurde.

Receiver erzählt von Lebensabschnitten und Erfahrungen, Liebe und Wut, Alt und Neu. Mr. Popp's Soundtrack für 2009. Interessant ist, dass nun Sam Leigh-Brown bei einigen Songs durch Backing Vocals vom Gitarristen Georg Brörmann unterstützt wird, der zudem bei zwei Songs auch die Lead Vocals übernimmt. Überhaupt geht es, wie schon der Opener "Burn The Bridges" vermuten lässt diesmal sehr viel mehr um großes Songwriting, wobei mit "Nothing To Gain" auch wieder ein Titel zu finden ist der sehr direkt nach vorne geht und neben "I Don't Mind" das Zeug zum Club-Hit hat. Im Juni erschien schon die dritte Single-Auskopplung mit dem radiohit-verdächtigen Titel "Change", die ein treffsicheres Fazit ermöglicht: Popps Powerpop ist populär und erfrischend schnörkellos! Und der Mastermind hat es wieder einmal verstanden die magischen Momente der 60er Jahre zu verbinden und in die aktuelle Zeit zu transportieren. Was eine Alternative zur elektronischen Tanzparty bietet, bei der aber auch Spaß und Party im Mittelpunkt stehen.
fk



Selig
Und Endlich Unendlich (Universal Music)


1994 stürmten die ex-Hamburger Selig die nationale Musiklandschaft mit ihrem gleichnamigen Debüt-Album und der dazugehörigen Single >>Sie Hat Geschrien<<. Bis Ende der 90er Jahre folgten zwei ebenfalls von Franz Plasa produzierte Alben, zahlreiche Tourneen und Auszeichnungen für ihren deutschsprachigen Alternative Rock mit Anleihen aus den 60er und 70er Jahren. Aufgrund zahlreicher Probleme dann der Split und der Versuch der einzelnen Bandmitglieder mit Tempeau, Kungfu oder Zinoba an alte Zeiten anzuknüpfen. Und jetzt die kaum für möglich gehaltene Reunion in Originalbesetzung mit >>Und Endlich Unendlich<<. 12 Songs, von Gitarrist Christian Neander im Berliner Heimstudio produziert. Und die dank Sänger/Ausnahmestimme Jan Plewka nahtlos an das Debüt anknüpfen können. Musikalisch bleibt es bei alternativem Pop/Rock, der wie die erste Single beweist, erneut auf offene Ohren stößt.
Frank Keil



Koalas Desperados
Globales Soundnetzwerk


Manu Chao, der ´King Of Bongo´, hat den Ethno-Mix aus Beats & Vibes in Spanisch, Portugiesisch, Englisch und Französisch bereits Ende der 90er Jahre weltweit salonfähig gemacht. Ebenso unkonventionell folgen ihm jetzt die Koalas Desperados, ein von den befreundeten Produzenten/Musikern Thilo ´Teka´ Jacks (Köln/Rootdown Records) und Manar El-Abed (Montpellier/Rebuffy-Bar) ins Leben gerufene Soundnetzwerk globaler Art. Und mit den insgesamt 15 Tracks (inkl. Intro/Outro) auf ihrem gleichnamigen Debüt ist ihnen in der Tat ein Überraschungscoup gelungen. "Es hat geklappt, die zahlreichen Gäste als Musiker/Vokalisten nicht nur nach Köln zu bringen, sondern sie organisch und selbstverständlich in unseren Sound zu integrieren" verrät Teka im Gespräch. Dafür waren sie jeweils drei Tage im Studio, haben zunächst alleine, dann mit einem weiteren Gast aufgenommen, bis wir nach rund 1 ½ Jahren das Album fertigstellen konnten." Eine stilistische Einordnung fällt nicht leicht, die Melanges aus Reggae, Soul, Afro-Beat und World-Folk zeugt vom sprudelnden Einfallsreichtum aller Beteiligten. In ihren Heimatländern bekannt, sorgen u.a. D-Flame, Nosliw, Laura Lopez-Castro, Maxim, Paco Mendoza (Argentinien), Jaqee (Schweden /Uganda) oder Bezegol (Portugal) für zwanglose Internationalität. Ohne sich in ein allzu festes Schema zu drängen, bietet der urbane Sound sogar Chartverdächtiges: Mit "Tempu" feat. Bezegol & Korbo und "Willst Du Dabei Sein?" feat. Maxim, Jaqee & Chozparei werden für Portugal und Deutschland gleich zwei Singles ausgekoppelt. Und schon im Sommer kann man dann einige der musikalischen Weltenbummler live erleben, wenn sie zusammen mit einem DJ & Percussionisten das mit Fortsetzung eingeplante Projekt Koalas Desperados auf der Bühne präsentieren.
Frank Keil



The Soulshakers Weekender 01.-03. Mai 2009
Bamberg/Haas Säle, Caffebar Kranen & Stilbruch


Wer hätte gedacht, dass Soulmusik noch einmal so großrauskommen würde? Jahrelang eher Nische in Sachen Musik und Mode, erlebt vor allem der britische Northern Soul der 60er Jahre ein nie geahntes Comeback. Dem Kreativ-Duo Susanne Görl und Malayka Erpen sei Dank, zum vierten Mal auch in Franken. In den Bamberger Haas Sälen veranstalten sie, gefördert durch die örtliche Weltkulturerbestiftung, einen internationalen, dreitägigen Weekender. Samt dazuhgehöriger Warm Up-Filmacht am 30.04. im Lichtspiel Kino. Annähernd 20 DJ´s, u.a. aus den USA, Großbritannien, der Schweiz und Deutschland werden ausschließlich Vinyl-Singles auflegen und mit Raritäten zwischen Motown, Rare Groove, Jazz und Funk die Tanzflächen füllen. Musik, Tanzstil und Einstellung des Publikums dürften auch über die Szene hinaus von Interesse sein, wenn es bei Klassikern wie "Determination" oder "Out On The Floor Tonight" zu akrobatischen Tanzeinlagen kommt. Songs zum Dahinschmelzen, herzzerbrechende Stimmen und ´Black Beauties´, die man auch schon bei den beiden Nachmittagssessions am Samstag und Sonntag in der Caffébar Kranen bzw. im Stilbruch erleben kann. Wer bereits vorher mehr über Northern Soul und die empfehlenswerte Veranstaltung erfahren möchte, kann sich auf der Homepage www.soul-shakers.de bzw. unter www.myspace.com/soul_shakers informieren. Die Vorbestellung von Festivalpässen ist ratsam, es wird aber auch Eintritt via Abendkasse geben.
Frank Keil



The Bullet Monks
Weapons Of Mass Destruction (Napalm Records/SPV)


In den letzten Monaten hatte ich mehrfach das Glück, The Bullet Monks live zu erleben. Vier junge Franken, die ihre Lektion in Sachen Rockmusik nahezu perfekt beherrschen. Äußerst professionell auf der Bühne und jetzt gleichermaßen überzeugend auf dem europaweit veröffentlichten Debüt >>Weapons Of Mass Destruction<<, dessen Grundlage das selbstbetitelte Debüt aus dem Vorjahr & >>No Gain Just Pain<< als Unplugged-Version bildet. J.B.O.-Langzeitproduzent Christoph Beyerlein hatte das Potential der Band längst erkannt und die 12 Titel zielsicher im Nürnberger Separate Sound Studio produziert. So wird der Name The Bullet Monks dank harter Riffs, fetter Beats und der markanten Stimme von Sänger Tyler Voxx schon bald aus der deutschen Musikszene nicht mehr wegzudenken sein. Und sogar Wishbone Ash-Gitarren-Legende AndyPowell liess es sich bei einem Besuch in der Frankenmetropole nicht nehmen, den Song >>Under The Black Sun<< mit einem eindrucksvollen Solo zu veredeln. Aufgepaßt Fans harter Rockmusik: Hier werden sämtliche Spielarten zwischen Alternative Rock, Hard Rock und Heavy Metal zu einem liveerprobtem, chartverdächtigen Mix fusioniert.
Frank Keil



The Ratazanas


Früher Reggae und seine klassische Roots-Phase, nahe an den Ursprüngen und abseits vom modernen Dancehall: Diesem Stil haben sich die portugiesischen The Ratazanas verschrieben, die von Oeiras/Lissabon aus mit ihrem Debütalbum "Ouh La La" (Grover Records, CD-106) in Europa durchstarten. Von Ska, Reggae und Rocksteady beeinflusst, gründeten Schlagzeuger André und Keyboarder Luís die Band im Sommer 2005 nach ersten Proben und vervollständigten das Line Up bis Ende 2007 um Edu, Petrov und Rosicky. Nachdem die Band ihre Soundvorstellungen Marke ´old school jamaican groove´ nahezu perfektioniert hatte (Lob gab es hierzu u.a. von den befreundeten The Aggrolites und The Slackers), bat man die belgischen Szenegrößen Nicolas Leonard/Sérgio Raimundo (The Moon Invaders) im Sommer 2008 um Beistand. Postwendend roduzierte das kongeniale Duo o.g. CD im Freddy Loco Studio in Charleroi/Belgien, mittlerweile einer der musikalischen Dreh- und Angelpunkte der europäischen Jamaika-Szene. Auf Tracks wie "Teeny Weeny String Bikini", "Grandma DJ", "Tori Stellar", "Kahuna Burger" oder "Prince Buster At Redlight" zieht das Quintett der ´ulkigen Hühner´ alle Register seines musikalischen Könnens, gepaart mit humoristischen Texten. Nicht weiter verwunderlich also, dass man bei The Ratazanas direkt an die spanische Band Los Granadians Del Espacio Exterior denken muss, mit denen man sie durchaus vergleichen kann. Und so machen sich The Ratazanas mit "Ouh La La" zwischen mitreißenden Piano-Rhythmen und lebendigen Saxophon-Riffs auf den Weg, die Charts rund um den Globus zu erobern.
Frank Keil



Nosliw
Heiss & Laut (Rootdown Records)


Er gilt als einer der Stars des ´Young Germaica´ neben Gentleman, Sebastian Sturm oder Martin Jondo. Die Rede ist von Nosliw, der mit >>Heiss & Laut<< jetzt sein drittes Album präsentiert. Nachdem es auf dem ersten Album sehr kritisch und politisch zuging, sich auf dem zweiten viel um Liebe drehte, zielt der Wahl-Berliner jetzt in Richtung Dancehall. Songwriting, Gesang und Produktion sind gewohnt erstklassig, die Vorab-Auskopplung >>Heiss & Laut<< besitzt definitiv Hitpotential. Klar gibt es auch wieder Abstecher in Richtung Reggae, Soul und HipHop, was insgesamt von >>Pramm Pramm<< über >>Block Party<< bis hin zu >>Immer Nur Bergauf<< ein prima Party-Album mit Tiefgang abgibt. Damit braucht sich Nosliw auch international nicht zu verstecken, zumal er u.a. schon erfolgreich für das Goethe-Institut durch Kanada tourte. Mehr Davon! Frank Keil
Frank Keil



Doreen Shaffer
´Queen Of Jamaica Ska´


Doreen Shaffer, Mitglied der Skatalites seit 1964, gilt unbestritten als ´Queen Of Jamaica Ska´. Über fünf Jahrzehnte hinweg hat sie u.a. durch eigene Songs, die Duette mit Jackie Opel sowie durch zahlreiche Auftritten und Veröffentlichungen mit den Skatalites weltweit für Aufsehen gesorgt. "Ich begann meine Karriere als junges Mädchen bei den Schlüsselfiguren der Szene. Tommy McCook, Roland Alphonso, Lloyd Brevette, Don Drummond und vor allem Jackie Opel waren meine Lehrmeister und wurden im Laufe der Jahre meine zweite Familie. Zu dieser Zeit entstanden Hits wie ´Welcome You Back Home´, ´The Vow´ und ´Turn Your Lamp Down Low´, die ich heute noch im Repertoire habe´ verrät Mrs. Shaffer voller Enthusiasmus. Den schnellen Split der Skatalites 1965, den Tod zahlreicher Mitmusiker und die lange Zeit bis zur Reunion der Band im Jahr 1983 überbrückte die heute getrennt von ihrem Mann lebende Jamaikanerin scheinbar mühelos. "Mein Glaube an Gott und meine Familie (zwei Töchter, ein Sohn, Enkelkinder, Nichten und Neffen) gaben mir die Kraft das Auf und Ab im Musikgeschäft erfolgreich zu bestehen. Und natürlich bin ich meinen Fans dankbar, die mir bis heute treu geblieben sind." Und fragt man Doreen Shaffer, mit welchen Größen aus Ska, Reggae und Rocksteady sie über die Jahre hinweg gearbeitet hat, liest sich ihre Auswahl wie ein Who is Who der jamaikanischen Musikszene: Rita Marley, Phyllis Dillon, Derrick Morgan, Winston Francis, Delroy Wilson, Alton Ellis, Ken Boothe, Luciano, Laurel Aitken, Bunny Wailer, Third World und Gregory Isaacs sind darunter zu finden. Was uns auch schnell zu einigen ihrer Lieblingstitel führt. "Eine Top Ten aufzustellen, ist bei einer so langen Karriere gar nicht so einfach, aber auf jeden Fall gehören dazu: ´Don´t Stay Away´ von Phyllis Dillon, die ich nach ihrem Tod sehr vermisse, ebenso Alton Ellis mit ´Willow Tree´, ´Simmer Down´ von Bob Marley & The Wailers, Pat Kelly mit ´If It Don´t Work Out´ sowie Delroy Wilson mit Can´t You See´. Und unabhängig von der stilistischen Vielfalt unserer Heimat, Neil Diamond mit ´Love On The Rocks´ und Boris Gardner mit ´I Wanna Wake Up With You´" fügt die rüstige Seniorin abschliessend hinzu.

Und so führte die gemeinsame Liebe für Ska 1997 die sympathischen Ausnahmestimme mit Wahlheimat New York und Oswald Münnig vom Münsteraner Label Grover Records zusammen. Doreen Shaffer präsentierte damals unterstützt von Dr. Ring Ding & The Senior Allstars das 13 Stücke umfassende Album "Adorable" (Gro-CD 016). Nicht zuletzt dank Klassikern wie "Sugar Sugar" (einen Song den Laurel Aitken für sie geschrieben hatte), "Turn Your Lamp Down Low" oder "Nice Time" gilt es bis heute als ein Meilenstein ihrer langjährigen Karriere. Aufgrund ihrer stetigen Präsenz im Studio und auf der Bühnen mussten Fans und Medien dennoch 12 Jahre auf einen würdigen Nachfolger warten, der jetzt mit "Doreen Shaffer Groovin´with The Moon Invaders" endlich vorliegt. Darauf entpuppt sich die Zusammenarbeit mit der neunköpfigen belgischen Formation seit Frühjahr 2008 erneut als ein Glücksfall. Doreen Shaffer und die Moon Invaders bewegen sich bei allen 14 Titeln von "Groovin´" bis hin zu "You´re Wondering Now" äußerst stilsicher zwischen Ska, Reggae und Rocksteady. Von jamaikanischer Musik beeinflusst, betritt die Band um die singenden Hardison-Brüder wie zuletzt auf dem eigenen Album "Moovin ´n´ Groovin´!" (Gro-CD 101) aber auch musikalisches Neuland. Schlagzeuger Nico Leonard verlieh den Songs im No Hype Studio einen ganz eigenen, unverwechselbaren Charme: Melodien die ins Ohr gehen, spannungsgeladene Harmonien und überraschende Auslfüge in Richtung Pop, Jazz und Soul. Ganz zu schweigen von Doreen Shaffers nach wie vor unvergleichbar warmen, einfühlsamen Stimme, die Eigenkompositionen wie "Private Number" oder "Softly As In A Morning Sunrise" eine ganz besondere Note verleiht. "Ich bin wirklich froh, mit diesen begabten jungen Musikern arbeiten zu dürfen. Die Chemie zwischen uns stimmte von Anfang an und man kann auf der CD hören, wie gut wir uns in lyrischer und musikalischer Hinsicht verstehen. Und das ist auf der Bühne nicht anders!" Und schon jetzt darf man nach der erfolgreichen CD-Präsentation im Rahmen der Europa-Tournee 2008/2009 auf weitere Shows der ´Grande Dame des Ska´ im Jahr 2009 gespannt sein. "Wenn es mein Kalender erlaubt,erhole ich mich zwei Mal jährlich im Urlaub auf Jamaika, wo ich noch viele Verwandte und Freunde habe. Das Meer, der blaue Himmel, der Geruch der Erde nach dem Rgeen - all dies gibt mir Kraft für meine weitere Karriere, die so Gott will, noch lange andauert."
Frank Keil

Diskographie: "Adorable", 1997 (Gro-CD 016) "Groovin´with The Moon Invaders", 2009 (Gro-CD 104)



Fiddler´s Green
Frischzellenkur Marke "Sports Day At Killaloe"


Seit 1990 sind Fiddler´s Green aus Erlangen für ihre Nichtbeachtung der herkömmlichen Folk-Grenzen bekannt. Mit "Celebrate!" (The 1000th Concert - Live At Burg Hoheneck), ihrem zehnten Album, zwei DVD´s (alle aus dem Jahr 2005) hatte sich an ihrem fortschrittlichen Folkmenü wenig geändert. "Drive Me Mad" setzte 2007 den Weg erfolgreich fort, jetzt verpassen die Erlangener 19 Titel lang dem traditionellen irischen Genre auf der aktuellen CD "Sports Day At Killaloe" eine Frischzellenkur. Dazu stand Bassist Rainer Schulz uns Rede und Antwort. "Die Bezeichnung ´Nu Folk´ ist up to date, aber man kann es weiterhin ´Irish Independent Speed Folk´nennen, was wir im Studio und auf der Bühne schaffen." So unterschiedlich wie diese sechs Typen ausssehen, so unbekümmert vermischen sie musikalische Stilrichtungen wie Punk, Pop oder Reggae. Neben den Folk-Traditionals im Fiddler´s Gewand ("7 Drunken Sailors"), den einfühlsam-melancholischen Balladen wie "Down By The Hillside" oder den Uptempo-Nummern Marke "Bugger Off" fällt auf, dass für die Fiddler´s auch im 19. Jahr ihres Bestehens Vollgas angesagt ist. "Wir sind mittlerweile eine wirklich stimmige Formation und haben alle Tracks live im Studio eingespielt. Diese geballt eingefangene Liveenergie gefällt bestimmt auch den Fans." Auch optisch gibt es zumindest auf der Bonus-CD der Deluxe-Version noch Zugaben. "Für die beiden Konzertmitschnitte 2005 hatten wir ein ganz besonderes Jubiläum ausgewählt. Das 1000. Konzert wurde mit einem begeisterten Publikum und zahlreichen Gästen im Juli 2004 auf Burg Hoheneck zelebriert. Jetzt gibt es zumindest einen Videoclip zu ´Bugger Off´ und noch neun bekannte und lieb gewonnene Klassiker in der akustischen Version." Alles in allem ist "Sports Day At Killaloe" ein kompromissloses, kraftstrotzendes und selbstbewußtes Statement von Fiddler´s Green, auf deren Live-Präsenz man sich auch im Jahr 2009 verlassen kann. "Klar sind wir jetzt noch im Proberaum um viele der neuen Stücke zu üben. Aber beim Konzert gibt es dann natürlich den gewohnten Mix aus alten Hits und neuen Favoriten. Die werden wohl von Auftritt zu Auftritt variieren, denn es fiel uns schon im Studio sehr schwer das Material auf 19 Stücke zu limitieren." Und was erwartet die Fans sonst noch? "Bei uns geht noch immer die Post ab, da treffen feucht-fröhliche Dance-Refrains keltischen Ursprungs auf kritische Alltagsbetrachtungen und politische Themen. Wir machen jeden Club mit ausgelassener Stimmung zum größten Pub der Stadt. Unsere handgemachte Musik, bei der es um Sehnsüchte, Gefühle, Träume und Erinnerungen geht, kann jeder im Publikum nachvollziehen." Auch im Ausland? In Russland waren wir 2003 und 2004. Die Niederlande und Belgien gehören definitiv zum festen Tournee-Programm. In Japan wird die CD nahezu zeitgleich veröffentlicht, dort aufzutreten wäre super. Und für den Sommer sind zahlreiche Open Air-Termine in Planung, darunter das eigene Festival mit Gästen auf Burg Waischenfeld." Um die Aufmerksamkeit der breiten Masse auf sich zu lenken, sind Ausdauer, Talent, handwerkliches Können, erstklassiges Song-Material und natürlich eine mitreißende Live-Performance nötig. "Die jetzige Besetzung ermuntert uns alle, das Fiddler´s Unternehmen voller Energie auf unbestimmte Zeit fortzusetzen. "Wir leben alle von und für die Musik. Und durch Label-Arbeit, Solo-Projekte oder Gastauftritte lässt sich immer noch der ein oder andere Euro hinzuverdienen." Und 2009 verspricht insgesamt ein richtig erfolgreiches Jahr für Fiddler´s Green zu werden. Weitere Infos zur Band, zu Tourdaten und zum Fanclub unter www.fiddlers.de
Frank Keil



Zeltinger
"Geschmack, Charakter, Zeltinger" (EMI)


30 Jahre Wahnsinn in Vollendung: Jürgen Zeltinger, von seinen Fans liebevoll ´Onkel Jürgen´ genannt. Seine musikalische Karriere begann in den 60er Jahren, national durchgestartet hat er mit Kölner Mundart-Rock in den späten 70er Jahren. Als er internationale Punk- und Rockhits eindeutschte, machten Titel wie "Müngersdorfer Stadion" oder der Klassiker "Asi mit Niwoh" ´de plaat´ überall bekannt. Zusammen mit seiner Band spielte er sich den Arsch ab, neben zahlreichen CD-Veröffentlichungen folgten nicht minder viele Tourneen. Klar, dass der Rocker auch Fußball-Fan ist und mit seinem "FC-Lied" schon in den 90er Jahren den Kölner Bundesliga-Verein musikalisch unterstützte. Daneben gibt es einen Comic, die Zeltinger-Story im Buchformat und jede Menge geilen Rock Marke "Rentner", "Tuntensong" oder "Frittebud". Klar, dass auf der Doppel-CD (die leider mit einem sehr unleserlichen Booklet ausgestattet ist) auch die bekannten Duette "Herzilein" (& Original Buam) und "Zu Nah am Feuer" (& Wally Bockmeier) nicht fehlen. Den Streifzug durch seine Karriere, der auch Solo-Songs enthält, sollte man sich definitiv nicht entgehen lassen.
Frank Keil



The Baboonz
Progress!? (Mad Butcher Records)


Seit 1998 begeistern The Baboonz aus Niederbayern die deutsche und europäische Ska-Szene. Mit ihrem dritten Album >>Progress<< meldet sich das Oktett um Sänger Wast kraftvoller und mitreißender, stilvoller und emotionaler als auf den beiden Vorgängeralben zurück. Dieses Mal haben The Baboonz ihren Stilmix aus Ska/Reggae und Punk/Rock´n Roll um Jazz und Soul erweitert und entziehen sich zumindest grobem Schubladendenken. Ähnlich wie die befreundeten Scrapy. Die durchweg auf Englisch vorgetragenen Songs des Achters vermitteln gesellschaftskritische Texte, die zum Nach- und Umdenken anregen sollen, was von >>Late Or Better<< über >>Assembly Line<< bis hin zu >>It´s so easy<< durchweg anspruchsvoll gelingt. Aber auch der Spass und die Party kommen bei The Baboonz nicht zu kurz, musikalisch sorgen dafür vor allem die Bläser und die Orgel, die dem treibenden Sound die nötige Abwechslung verleiht.
Frank Keil



Stan Or Itchy
Sweat ´n´ Suits (Flat Daddy/Broken Silence)


Sie gehören zur jungen Generation der aktuellen Ska-Szene, die sich ihre Einflüsse neben Reggae und Rocksteady auch aus Stilen wie Punk, Hardcore und Crossover sucht. Die Rede ist von Stan Or Itchy, einer 2002 im schweizerischen Bern gegründeten siebenköpfigen Formation. Die Band um Sängerin Stefanie Beutler präsentiert von "Devil Inside" über "Looking Back" und "A Curse" bis hin zu "Next Show" durchweg selbstbewussten, englischsprachigen Ska-Pop, der die Band im Februar 2009 nach zahlreichen Auftritten außerhalb der Schweiz erstmalig nach Großbritannien führt. Musikalisch geht es nach ersten Demos und Samplerbeiträgen auf dem Debüt sehr abwechslungsreich zu. Wer also auf Bands wie Madness, The Skatalites, No Doubt oder The Hotknives steht, der wird sich auch bei "Sweat ´n´ Suits wohlfühlen. Stan Or Itchy beweisen, dass auch die Schweiz ´up to date´ in Sachen Ska ist. Frank Keil
Frank Keil



Rosenstolz
"Die Suche Geht Weiter" (Universal)


Seit Anfang der 90er Jahre sind Rosenstolz aus der deutschsprachigen Popmusik nicht mehr wegzudenken. Ausverkaufte Tourneen, 44 Singles von 1992 bis 2007, erfolgreiche Alben und DVD´s, Chartplatzierungen und Auszeichnungen ohne Ende. Und jetzt "Die Suche Geht Weiter", 12 Stücke, aufgenommen im eigenen Tonstudio in Berlin zwischen November 2006 und Juni 2008. Texte und Musik wie gewohnt von AnNa R. und Peter Plate, dazu noch Lebensgefährte Ulf Leo Sommer. Nicht weiter verwunderlich also, dass man ohne Druck zahlreiche hitverdächtige Titel produziert hat, allen voran die bereits vorab ausgekoppelte Single "Gib mir Sonne". Aber auch der Rest des insgesamt elften Albums kommt in typischer Rosenstolz-Manier daher, eben einfach gefühlvoller Pop zwischen Verlangen, Verlust, Trauer und Euphorie. Inklusive der Hommage "An einem Morgen im April", gewidmet der verstorbenen Mutter Sommers. Fazit: Kein Platz für Monotonie im Lande Rosenstolz. Frank Keil
Frank Keil



Fuzztones
"Horny As Hell" (Electrique Mud/Al!ve)


Die Fuzztones sind zurück! Von der Originalbesetzung ist zwar nur noch Mastermind Rudi Protrudi dabei, aber mit dem insgesamt 17 Titel umfassenden Mix aus alten Klassikern und neuen Stücken ist ihm ein weiterer Meilenstein der Psychedelic-Garage-Szene gelungen. 1980 gegründet, sorgten die Fuzztones durch Klassiker wie "Lysergic Emanations" oder die Zusammenarbeit mit Screamin´ Jay Hawkins weltweit für Aufsehen. Mit Knochenketten, Vox-Phantomgitaren und sägendem Fuzz-Sound kreierten sie ihren ganz eigenen Sixties-Rock und etablierten sich dank charismatischer Bühnenpräsenz nicht nur zwischen Los Angeles und New York. Und irgendwie ist Sänger/Gitarrist Rudi Protrudi auch nach seinem Umzug nach Berlin zeitlos, ein Kultrocker des Garagerock, dem u.a. Lana Loveland (Hammon Organ, Vocals) überzeugend zur Seite steht. Dazu eine Horn-Sektion, die Stücke wie "Bad News Travel Fast" oder "She´s Wicked", auch dank des weiblichen Backing-Chors, in ganz neuem Licht erstrahlen lässt. Frank Keil
Frank Keil



Madera Limpia
Kubanischer Stilmix gegen Langeweile


Salsa, Merengue, Bachata - kubanische Musik geht in die Beine wie kaum eine andere. Karibik - überraschend anders, kein Widerspruch zwischen Tradition und Moderne. "A Lo Cubano", mit diesem genialen Geniestreich eroberten die Orishas aus Kuba 1999 die Welt und feierten als ´Buena Vista Youngster Club´ bis heute zahlreiche Erfolge. Wie vital und hip kubanische Musik klingen kann, demonstrierten in der Folgezeit aber auch andere Bands, von denen Madera Limpia zweifelsfrei zu den Besten gehören.

"Langweilig ist mir. Tödlich langweilig", sangen die beiden charismatischen Frontmänner Yasel González Rivera und Gerald Thomas Collymore im Refrain ihres Hits "Verdad Global" auf der Europatournee 2006. Doch das Gegenteil war der Fall, als die kubanische Formation mit ihrem Stilmix aus Changui, HipHop und Reggaeton nach 2005 zum zweiten Mal Deutschland bereiste. Im Gepäck hatten die spanischsprachigen Künstler damals den Soundtrack zum preisgekrönten Film "Paraiso" von Alina Teodorescu, einer rumänischen Regisseurin mit Wahlheimat in München. Live gelang der Band aus Guantánamo, hinlänglich bekannt als trostloser US-amerikanischer Militärstützpunkt, sehr eindrucksvoll die Verbindung traditioneller Klänge mit modernen Stilmitteln, schnellzüngig und temporeich. Kaum jemand, der sich bei so viel Energie auf der Bühne nicht zum Mitwippen oder Tanzen animieren liess. Das Münchner Label Out Here Records veröffentlicht jetzt unter dem Titel "La Corona" die neue CD von Madera Limpia. Rivera, Collymore und ihre musikalischen Mitstreiter präsentieren darauf die erneut unter der Regie von Produzentin Alina Teodorescu enstandenen Rhythmen eines jungen, sich nach dem Wechsel an der Regierungsspitze langsam verändernden Landes. Stilistisch bleiben die kongenialen Musiker und Texter von "En La Esquina" über "No Ni No" und "Salsa" bis hin zum Bonus "Verdad Global" neben Buena Vista Social Club-Reminiszenzen zumeist aktuellem Rap und Reggae treu. In lyrischer Hinsicht bedienen sich Madera Limpia erneut einer universellen Sprache, die thematisch verschiedene Nationalitäten, Hautfarben und Altersstufen anspricht.

"Mein Rap ist die Sprache der Jugend in Kuba" erklärt Yasel, "es geht dabei in erster Linie um das tägliche Leben mit all seinen Facetten." Die reichen von Jugendprostitution ("Tirando Con La Cara") über die Bespitzelungs-Hymne "Boca-Floja" bis hin zu bandeigenen Erlebnissen in Europa ("Danza Mulata"). Und der Titeltrack selber, das hitverdächtige "La Corona", kommt als würdevolle Party-Hymne zu uns. "Klar, dass wir uns auch musikalisch mit der kubanischen Tradition auseinandersetzen, es sind unsere Wurzeln. Dabei steht die Percussion natürlich an erster Stelle, aber auch Blechblasinstrumente wie Tuba oder Trompete kommen neben der herkömmlichen Instrumentierung aus Gitarre, Bass und Schlagzeug zum Einsatz. Rap, Reggae, Dancehall, und Changui, sie ergänzen die Grundlagen, dann wird der Mix am Ende perfekt" unterstreicht Gerald. Und mit "La Corona" ist dem Team eindrucksvoll gelungen, die authentische Verbindung von lokal-akustischer Tradition und urbaner Latino-Jugendkultur aufzuzeigen. "In einem Ort wie Guantánamo geht es in erster Linie darum ruhig zu bleiben, Deine Kreativität zu bündeln und Deine Würde nicht zu verlieren". Richtungsweisend dürfte dabei auch der Titel "El Ruego" sein, der nicht nur für Madera Limpia, sondern auch für ihre weltweite Fangemeinde Aufbruchsstimmung signalisieren soll. Kraftstrtzende Beats und Reime, dazu ein Feuerwerk afro-kubanischer Perkussion gepaart mit unglaublichem Pop-Appeal: Von diesem karibischen Lebensgefühl läßt man sich nur allzugerne anstecken.
fk



V.A.
(Bureau B/Indigo)


Wer seine Jugend in den 70er Jahren verbrachte liebte Zeichentrickserien. Zu meinen absoluten Lieblingen gehörte Signor Rossi des Italieners Bruno Bozzetto, Geschichten eines kleinen, einfachen Industriearbeiters der zusammen mit seinem Hund Gaston allerhand Abenteuer erlebt. Wenn sich der kleine Herr im roten Zwirn die Ehre gab, fehlte ich nie vor dem Fernseher. Vor allem wegen der Titelmelodie aus der Feder von Mister Jingle alias Franco Godi, der mit >>Herr Rossi sucht das Glück<< einen weltweiten Hit schuf. Neben der deutschen Version gibt es den Titel auf der CD auch in einer englischen und der italienischen Originalfassung zu hören. Daneben gibt es einige andere Perlen aus der langen Schaffnsphase Godis zu entdecken, wie z.B. >>Qua Qua Qua<< oder >>Bu Bu Buana Bu<<. Im CD-Booklet sind die schönsten Szenen der Rossi-Serie abgebildet, was die Reise in die Vergangenheit auch optisch zu einem Erlebnis macht.
Frank Keil



Khaled
Best Of (Wrasse Records/Harmonia Mundi)


Das Best Of-Album des algerischen Rai-Königs vereint alle bisherigen musikalischen Höhepunkte seiner Karriere. Der Sänger mit Wahlheimat Frankreich begann bereits als Kind profesionell zu singen und entschied sich als Jugendlicher sein Hobby zum Beruf zu machen. Zunächst gelang es ihm sich ein nordafrikanisches Publikum zu erschliessen, später dann auch ein europäisches und sogar weltweites. Über die Jahre hinweg hat Khaled bewiesen, dass die Verbindung westlicher Popmusik und afrikanischer Folklore auch jenseits aller stilistischen Moden bestehen kann, wie er mit seinen Hits wie >>Didi<<, >>Aicha<< und >>Sahra<< nur allzu deutlich unterstreicht. Seit der 1960 geborene Khaled 1976 seine erste Single aufnahm, hat er einen unverwechselbaren Stil aus Rock´n Roll-Einflüssen und Volksmusik-Grundlagen geschaffen. Zwei unveröffentlichte Stücke, darunter ein Duett mit Lady Laistee auf >>Mon Premier Amour<< runden die Best Of-CD gebührend ab.
Frank Keil



Taubertal Festival 2008
08.-10. August - Rothenburg o.d.T./Eiswiese


Das Taubertal-Festival hat sich dank der Zusammenarbeit zwischen "K.O.K.S"- Promotion" aus Hannover, dem örtlichen Veranstalter "Karo Konzert-Agentur" und renomierten Partnern (Bayern 3) längst bundesweit etabliert. Mehr als 30.000 Gäste kommen jedes Jahr, das ist viel, aber nicht zu viel, um das beschauliche Idyll zu trüben. 2008 gastieren mehr als 25 internationale Acts zwischen Berg und Tal. Was die Auswahl der Künstler angeht, braucht man sich in Rothenburg nicht zu verstecken. In den vergangenen Jahren spielten u.a. P!NK, die Sportfreunde Stiller, die Toten Hosen, Seed und Mando Diao auf der Eiswiese. Und auch in diesem Jahr stehen wieder Auftritte aller Stilrichtungen auf dem Programm der Hauptbühne und der Sounds-For-Nature-Bühne: Die Ärzte, Die Fantastischen Vier, Fettes Brot, The Hives, Culcha Candela - um nur die Headliner zu nennen. Aber auch der Nachwuchs kommt zu seinem Recht. Im Zuge des "Emergenza"-Newcomer-Finales messen sich die Sieger der einzelnen europäischen Vorausscheidungen, die Stars von Morgen. Nicht auf glühendem Asphalt, sondern inmitten ursprünglicher Natur geht hier die Party ab, was Singles, Pärchen, Gruppen und Familien gleichermaßen schätzen. Daher gibt es eine enge Kooperation mit Sounds For Nature (www.bfn.de) Dies ist ein Projekt zwischen dem Bundesamt für Naturschutz, K.O.K.S., der Deutschen Rockmusikstiftung und dem Institut für Umweltkommunikation. "Freakig", so bringen es die Gäste auf den Punkt, "in Zeiten totaler Kommerzialisierung wird hier ein ursprünglicher Festivalgedanke aufrechterhalten." Faire Getränke- und Essenspreise verstehen sich da von selbst. Zudem gibt es ein umfangreiches, aber nicht übertriebenes Rahmenprogramm. Und wer dann doch einmal Pause vom Festivalgeschehen braucht, der wandert entlang des Campingareals über den Taubertalweg in Richtung Natur. Alle aktuellen Infos zum Festival, erhält man unter www.taubertal-festival.de
Frank Keil



Patrice
FreePatriAtion (Supow/Universal)


Nach drei Studio-Alben und einer Live-CD veröffentlicht Patrice mit >>FreePatriAtion<< sein viertes Studio-Album. Der Sänger und Songwriter konnte dafür Commissioner Gordon (u.a. Lauryn Hill, Alicia Keys, Amy Whinehouse) als Produzent gewinnen. Stilistisch ist er seit seinem Debüt aus dem Jahr 2000 einem überzeugenden Stilmix aus Reggae, Soul und Pop treu geblieben. Bei Hits wie >>Dove Of Peace<< verbinden sich klassische jamaikanische Riddims mit afrikanischen Elementen im 6/8 Takt, eine überzeugende Folk-Paraphrasierung trifft auf Funk-Gitarren. Eigener kann kein Stil sein. Hinzu kommen die anspruchsvollen Lyrics, für die Patrice (Mutter aus Deutschland, Vater aus Sierra Leone) seit seinen Anfängen Ende der 90er Jahre bekannt ist. Aufgenommen wurde dies mit zahlreichen Gastmusikern, die alle ihr Handwerk bestens verstehen. Warm, stilsicher getragen von seiner charismatischen Stimme, hat Patrice sein bisheriges Meisterwerk abgeliefert.
Frank Keil



Nneka
Nigerianische Pop-Poetin zwischen Hip Hop und Soul


Wie von den Veröffentlichungen des Labels Yomama´s Recording gewöhnt, bürgt die Wahlhamburgerin Nneka Egbuna aus Nigeria auch mit ihrem zweiten Album "Don´t Worry In Warri" (V.Ö. 25.04.) für hohe inhaltliche und klangliche Qualität. Während sie Mitte März bei ihrer Familie in Warri, einer Großstadt im Niger-Delta weilte, bat Jazz Thing die sympathische und hübsche Sängerin zum Gespräch via Handy. Anfang der 80er Jahre geboren, wuchs Nneka mit afrikanischer Musik (u.a. Fela Kuti) auf, begann im Schul- und Kirchenchor zu singen und entdeckte als Teenager vor allem Hip Hop Marke The Fugees. "Für meine Musik waren diese Einflüsse prägend, für meine Texte meine Herkunft aus Nigeria. Ende der 90er Jahre reiste ich nach Hamburg, um dort ein mittlerweile abgeschlossenes Antthropologie-Studium aufzunehmen und neue Erfahrungen zu sammeln." Parallel schrieb Nneka beständig Texte und entwickelte eine überzeugende Bühnenpräsenz, ob allein mit Gitarre oder Band. 2005 mündete dies zunächst in der schnell ausverkauften EP "The Uncomfortable Truth", einer Support-Tour für Patrice und dem von Fans und Medien hochgelobten Debütalbum "Victim Of Truth", dass 15 starke Eigenkompositionen enthielt. "Seit dieser Zeit arbeite ich auch sehr eng mit DJ/Produzent Farhot zusammen. Bis heute kann er meine Botschaften und von Herzen kommenden Gefühle bestmöglich musikalisch umsetzen."

In der Folgezeit war sie nicht untätig, gab Konzerte in halb Europa erreichte eine Art Szene-Kultstatus, der sich mit der Veröffentlichung von "Don´t Worry In Warri" bald ändern dürfte. "Zunächst produzierte ich mit Farhot einen Großteil der 16 Tracks, die dann in Zusammenarbeit mit dem bekannten französischen Produzenten Jean Lamoot (Salif Keita, Noir Desir) veredelt wurden." Herausgekommen ist ein sehr persönliches Album, unkonventionell, eigenständig und voller unangepasster kritischer Hits. "Heartbeat" ist so ein Stück. "Schön, dass es Dir so gut gefällt. Es ist definitiv auch eines meiner Lieblingsstücke auf der CD. Ich singe über die Liebe mit all ihren schwierigen Facetten." Oder "Niger Delta", das ebenso wie der Titelsong von den Menschen im krisengeschüttelten Nigeria handelt. "´Niger Delta´ bedeutet mir sehr viel. Wie das Leben hier pulsiert, das multikulturelle Nebeneinander, die Kluft zwischen Arm und Reich, die Umweltzerstörung und Umweltverschmutzung, die Lebensumstände zuhause." Dennoch macht Nneka mit ihrem musikalischen Mix aus Hip Hop, Reggae, Pop und Soul auch Hoffnung. Im Mittelpunkt dabei: Ihre unverwechselbare Stimme. Nneka singt auf Englisch, gelegentlich in ihrer Muttersprache. Und auch aus ihrer Heimat bekommt sie die verdiente Bestätigung für die langjährige harte Arbeit. "Es werden wohl so ca. 10 Konzerte mit nigerianischen Musikern hier werden, bevor ich zur Albumpromotion nach Deutschland zurückkehre." Dann heißt es dringend zuhören, wenn Nneka große Gefühle zwischen Liebe und Politik auf CD/Bühne thematisiert.
www.nnekaworld.com
Frank Keil



The Busters
Schwarz auf Weiss mit neuer CD/DVD "Double Penetration"


Ska, ursprünglich gegen Ende der 50er Jahre in Jamaika aus der Vermischung karibischer Folklore mit amerikanischem Rhythm´n´Blues geboren, etablierte sich bereits Anfang der 60er Jahre durch farbige Einwanderer in Großbritannien. Dort wurde er erstmals von weißen Jugendlichen aus der Arbeiterklasse als sogenannter Bluebeat adaptiert. Die größten Hits der damaligen Zeit lieferten Laurel Aitken und Desmond Dekker, die bis heute die Musik der Busters beeinflußt haben. Ende der 70er Jahre schwappte eine große britische Ska-Welle von der Insel auf den Kontinent. Durch die Verschmelzung von Reggae und Punk erfuhr Ska eine erstaunliche Wiederbelebung. Bands und Publikum machten Schwarz und Weiss zu den Farben der Szene. Die erfolgreichsten Bands dieser auch stark politisch motivierten Welle waren die Bad Manners, Madness und The Specials/The Selecter vom legendären 2 Tone-Label. Hierzulande standen die Busters aus der Nähe von Heidelberg bereit, diese Musik neu zu beleben. Sie erzielten mit ihrem verpoppten Ska seit 1987 sogar Charterfolge in Deutschland und etablierten die Tanzmusik mit starker Rhythmusbetonung als Musik gegen Rassismus.

"Von der Urbesetzung sind heute noch sieben der 12 Gründungsmitglieder mit von der Partie" erklärt Alt-Saxophonist Peter Quintern. "Der Rest hat dem ewigen Kreislauf aus Veröffentlichungen und Tourleben Tribut gezollt, hat sich aus beruflichen und/oder privaten Gründen von den Busters verabschiedet." Dennoch ist die Band dem musikalischen Ziel, dem Publikum einen Musik-Mix aus Ska, Reggae und Rocksteady näherzubringen, bis heute treu geblieben. Ihre Discografie würde den vorgegebenen Rahmen sprengen, aber Deutschlands erfolgreichste Ska-Band hat mit Ska Revlution Records schon länger ihr eigenes Label, auf dem jetzt die CD/DVD "Double Penetration" erscheint. Sie schafften sich damit noch ein wenig mehr Unabhängigkeit, von den für Ska-Musik begrenzten Möglichkeiten. "Bis auf Sänger Richard Tabor, der als Lehrer arbeitet, sind die Busters Profi-Musiker, da blieb dieser Schritt auf Dauer nicht aus" ergänzt Peter. "Wir spielen aber alle noch in anderen Projekten, die Bläser sind z.B. Mitglieder des Farin Urlaub Racing Team." Die aktuelle CD enthält 13 neue Songs aus der Feder von Deutschlands erfolgreichster Ska-Band. Von "Double It" über "Cheerio" und "Wishlist" bis hin zu "The Wrong Song" trifft karibische Eleganz in spielerischer Stilsicherheit auf europäische Experimentierlaune. Allerdings ist im Gegensatz zum Vorgänger "Evolution Pop" (2005) der Verzerrungsregler am Gitarrenverstärker wieder unter Kontrolle, gemäß dem Motto ´back to the roots´. Aber nicht nur im Studio, sondern oder vor allem auf der Bühne fühlen sich die Baden zuhause. Mit der neuen Booking-Agentur F-Cat im Rücken startet man ab Ende Dezember wieder auf große Deutschland-Tournee. Und wer sich zuhause schon mal mit einer Show der ganz besonderen Art verwöhnen will, sollte die Unplugged-DVD von Jungfilmer Paddy Kroetz einlegen. 10 Titel lang werden hier alte Hits wie "Mickey Mouse in Moscow" oder "Rude Girl" mit neuen Stücken Marke "Hitime" und "Good Times Are Good" außergewöhnlich arrangiert. Eine DVD, die The Busters in völlig neuem Licht erscheinen läßt und zeigt, dass es für kreative Bands keiner großen Produktionsfirma bedarf, sondern eher der engagierten Umsetzung guter Ideen.

Klar, dass sich die Bigband auf den direkten Kontakt zum Publikum freut. "Für 2008 gibt es Pläne im Ausland zu spielen, der letzte größere und erfolgreiche Aufenthalt war unsere ausverkaufte Japan-Tournee im Jahr 2004" gibt mir Peter mit auf den Weg. "Aber dem Wunsch der Band ins Ausland zu reisen, stehen oft die hohen Produktionskosten hemmend entgegen." Doch nach dem Genuss von "Double Penetration" bin nicht nur ich äußerst zuversichtlich, dass die Erfolgsgeschichte der Busters unverändert fortgeschrieben wird. Fazit:So facettenreich wie sich die Busters 2007 präsentieren, brauchen sie sich vor keinen Genre-Kollegen zu verstecken. Denn ihre Art von Ska läßt sich auch zukünftig nicht in die musikalische Ecke stellen. www.thebusters.com
Frank Keil



Hans Söllner + Bayaman´Sissdem Viet Nam
(Trikont)


Hans Söllner + Bayaman´Sissdem sind zurück. Im Gepäck ihr drittes Studioalbum >>Viet Nam<<, mit dem sie erneut ihre musikalische Stimme für eine andere Gesellschaft erheben. Musikalisch vielfältiger, textlich feinfühliger als der gewohnte Mix aus Reggae & Rebellentum, überzeugen Bandleader und Mitmusiker mit allen 14 Titeln. Der 1955 in Bad Reichenhall geborene Sänger/Songwriter und Gitarrist bleibt kritisch und unangepasst, unterstrichen wird dies von >>A Jeda<< über den Klassiker >>Landshut<< bis hin zu >>Vorbei Damit<<, wobei der Hidden Track zum Thema Schülerselbstmord vielleicht das beste Stück des gesamten Albums ist. Das Zusammenspielt zwischen bayerischem Volkssänger und Band ist optimal, die Instrumentierung ergänzt die nach wie vor kritisch, sozial und persönlich ausgerichtete Poesie. Söllner richtet den Blick auf den Alltag des Prekariats und klingt auch in Begleitung lebendiger denn je. Der Liedermacher spricht uns noch immer engagiert aus Leib, Seele und Kopf.
Frank Keil



Manu Chao
La Radiolina (Radio Bemba/Warner)


Ob alleine oder zusammen mit Mano Negra und später mit dem Radio Bemba Soundsystem: Manu Chao hat beinahe die ganze Welt bereist und dabei musikalische Impressionen gesammelt. Und auch >>La Radiolina<< ist fünf Jahre nach seinem letzten Live-Album eine erfrischende und höchst druckvoll in Szene gesetzte Sammlung von Eindrücken eines politisch aufmerksamen und aktiven Globetrotters. Er pendelt zwischen seiner Wahlheimat Barcelona und dem Nordosten Brasiliens, wo sein Sohn lebt und dem Rest der Welt. Dabei entstanden neue Hits wie >>La Vida Tombola<< (über Maradona), >>Rainin In Paradize<< oder >>Me Llaman Calle<< (Titelstück aus dem Film ´Princesas´). Musikalisch ist das wieder ein Mix aus Punk, Alternative, Hip Hop, Reggae und jeder Menge landestypischer Musik. Ein hochgradig explosiver Sound, der auch inhaltlich für Abwechslung im Mainstream-orientierten Musikgeschäft sorgt.
Frank Keil



Hanoi Rocks
Street Poetry (Demolition/Soulfood)


Wieder einmal hat Michael Monroe mit den Hanoi Rocks ein großartiges Rock´n Roll-Album eingespielt. Nachdem die Band in der Urbesetzung 1980 von Finnland aus zunächst England und Japan mit ihrem musikalischen Mix aus Punk, Glam, Rock´n Roll und Rock eroberten, ging es kurze Zeit später auch in den USA steil an die Spitze. Einen durch den betrunkenen Motley Crue-Sänger Vince Neil verursachten Autounfall überlebete HR-Schlagzeuger Razzle nicht, zudem brachten Drogen und interne Streitigkeiten 1985 das erste Aus für die nordischen Überflieger. Aber Multitalent Michael Monroe veröffentlichte in der Folgezeit zahlreiche Soloalben und wurde mit den Hanoi Rocks und ihrem Sleaze-Rock u.a. zum Vorbild von Bands wie Guns´n´Roses.1997 kehrte er in seine Heimat zurück, reformierte die Hanoi Rocks 2003 mit Erfolg und mit Urgitarrist Andy McCoy und drei neuen Mitstreitern an seiner Seite legt er nun >>Street Poetry<< vor: Zahlreiche Anspieltipps von >>Hypermobile<< bis >>Fumblefoot And Busy Bee<< und den Hit >>Fashion<<. Frank Keil
Frank Keil



Laura López Castro Y Don Philippe
Inventan El Ser Feliz (Nesola/Four Music)


Im Frühjahr 2006 präsentierte Max Herre als erste Veröffentlichung auf seinem Label Nesola das hochgelobte Debütalbum >>mi libro abierto<< des Duos Laura López Castro/Don Philippe (Freundeskreis). Die Sängerin, die als Kind spanischer Eltern bei Stuttgart aufwuchs und der Gitarrist, Komponist und Produzent setzen auch auf dem aktuellen Longplayer >>Inventan El Ser Feliz<< ihre musikalische Reise Richtung Südamerika anspruchsvoll fort. Wer sich die 11 Stücke von >>acabou chorare<< über >>hasta que vuelvas<< bis hin zu >>búscame<< anhört, wird verstehen dass Traurigkeit und Melancholie durchaus ihre schönen Seiten haben. Das Duo pendelt erneut stilsicher zwischen Bossa Nova und Jazz, Markenzeichen bleibt die klare Stimme in Kombination mit einer aussagekräftigen Akustik-Gitarre. Und in der Tat sind Laura López Castro und Don Philippe ihrem Ziel das Glück zu erfinden, einen ganz großen Schritt entgegengekommen.
Frank Keil



Sportfreunde Stiller
Fast Wie Von Selbst an die Spitze der deutschen Charts


Anfang August meldeten sich die Sportfreunde Stiller mit ihrem vierten "regulären" Album zurück. "La Bum" (Universal Music) ist der Titel vom nächsten Kapitel, vom lang angekündigten Nachfolger zum vergoldeten Longplayer "Burli". Jenes Album konnte sich 2004 auf Position 2 der deutschen Charts platzieren und war Heimat von gleich drei Hitsingles. Damit nicht genug, brillierten Peter Brugger (Gitarre), Florian Weber (Schlagzeug) und Rüdiger Linhoff (Bass, Fußorgel) im gleichen Jahr mit dem Best Of-Live-Album "Evil". Seit 1996 haben sich die Münchner im deutschsprachigen Alternative-Pop/Rock etabliert, ja selber Maßstäbe gesetzt. Ihre Songs treffen den Geschmack einer ganzen Generation, vereinen stadionkompatibel Independent und Mainstream. Und trotz einer kreativen Auszeit 2005 setzte das bayerische Trio im Sommer 2006 mit dem Fußball-WM-Album "You Have To Win Zweikampf" und der dazugehörigen Hitsingle "´54, ´74, 90´, 2006" die unglaubliche Erfolgsgeschichte fort. Anläßlich ihres Auftritts am 22.10.07 in der Jako Arena/Bamberg läßt Mohr-Autor Frank Keil im Gespräch mit den Sportfreunden Stiller ihre Karriere Revue passsieren.

Mohr: Sommer 2006. Das WM-Album auf Platz 2 der deutschen Charts, die Single auf Nummer 1, die Band zusammen mit der Nationalmannschaft auf der Bühne der Berliner WM-Abschlußfeier. In wie weit haben diese Erfolge die Arbeit an "La Bum" beeinflußt?

Sportfreunde Stiller: Wir erhoben uns mit enormer Kreativität und flügelartigem Antrieb aus dem Fußballsommer. Anfang Oktober 2006 begannen wir mit dem Schreiben der neuen Nummern. Hier prallten dann Originalität, großer Output und Reflektionen aufeinander. Es wurde geordnet, analysiert, verworfen und verbessert. Jetzt steht da unser insgesamt sechstes Album und wir sagen: Ein Knaller!

Mohr: Parallel zur Album V.Ö. starten auch die Live-Auftritte bis Mitte November, darunter zahlreiche, bereits jetzt ausverkaufte Hallen-Shows. Welche Erwartungshaltung haben da Band, Management und Universal Music?

Sportfreunde Stiller: Wir wollen da anknüpfen, wo wir mit "Burli" aufgehört haben. Wir können sehr wohl realistisch einschätzen, dass wir erst einmal wieder unsere Fans für die Tournee mobilisieren müssen - nehmen aber gerne den einen der die andere vom Sommermärchen mit in unser Schloß, auf unseren Schoß und mit einem Schuß wird alles groß.

Mohr: Wurde das Album bewußt "La Bum" betitelt und verbirgt sich dahinter eine tiefere Bedeutung?

Sportfreunde Stiller: Ja, "La Bum" heißt für uns der Knall und soll als Soundtrack zu Edvard Munchs Gemälde "Der Schrei" verstanden werden. In diesem Bild halten sich Energie Angst, Sehnsucht, Verwunderung, Hoffnung und Leidenschaft die Waage. Es könnte aber auch sein, dass wenn man die ersten beiden Buchstaben umdreht, aus "La Bum" Album wird.

Mohr: Getreu dem Motto ´never change a winning team´ entstand das Album wieder zusammen mit Produzent Uwe Hoffmann (u.a. die Ärzte). Wo und wann wurde aufgenommen?

Sportfreunde Stiller: In 9 Monaten entstanden insgesamt ca. 30 Ideen bzw. Lieder. Davon wurden 19 innerhalb von 3 x 2 Wochen in Hamburg und der Nähe von Valencia/Spanien aufgenommen. Uwe Hoffmann hat die Lieder mit uns eingespielt, hier und da mal ´Ihr Penner´ oder aber auch ´Ihr Götter´ zu uns gesagt. Wir bekamen immer faires Essen und einen Becher Wein pro Tag. Das genügte zum Resultat aus 11 Stücken.

Mohr: Mindestens 2 davon, "995er Tief Über Island" und "Tu Nur Was Dein Herz Dir Sagt" sind für mich stark hitverdächtig. Melodien, die ins Ohr gehen, Lieder über Erinnerungen und unglückliche Liebe. Welche Titel gehören zu Euren absoluten Lieblingen?

Sportfreunde Stiller: Eigentlich alle 11, aber besonders der Opener "Der Titel Vom Nächsten Kapitel", groovige Powerriffs erklären die allumfassende Frage "Was kommt nach dem gerade Erlebten?". Dann "Mo(nu)ment", hier wird kurz aber prägnant der Moment gepriesen, aus dem eine Kleinigkeit, ein Erlebnis zu etwas unvergessen Großem wird. Haut live schon sehr rein. Und last but not least "Legenden". Ein Hommage an diese Menschen, welche selbst nach einem Fall und Sturz mit erhobenem Haupt und starkem Rückgrat durch das Leben gehen. Dies können weltbekannte aber auch uns verwandte Menschen sein.

Mohr: Wo liegt der Unterschied zwischen "La Bum" und den erfolgreichen Vorgängeralben, "So Wie Einst Real Madrid" (2000) "Die Gute Seite" (2002) und Burli (2004)?

Sportfreunde Stiller: In der genaueren und konzentrierteren Betrachtung und Arrangierung der Lieder. Besser durchdacht, länger getextet. Die Lieder reiften, wurden poliert und wiederum betrachtet, dann finalisiert. Produktionstechnisch wurde viel getestet und ausprobiert, neue Snare-Sounds, mehr Gitarren-Soli, Rüde wagt sich erstmals ans Mikrofon. Und auch neu: Es ist unser sechtes Album, das hatten wir bisher noch nicht.

Mohr: 1996 sah ich Euch in einem Münchner Kellerclub zum ersten Mal, Marc Liebscher (Manager & Blickpunkt Pop-Labelchef) hatte mich mitgenommen. Stücke wie "Wunderbaren Jahren" und "Wellenreiten" hatten das Zeug zu Klassikern. Haben Euch 11 Jahre erfolgreiches Bandleben verändert? Mit welchen Zielen geht die Band in die nächsten Monate?

Sportfreunde Stiller: Durch das Denken in kleinen Schritten haben wir uns immer einen klaren Kopf bewahrt. So werden wir es weiter handhaben. Wir hoffen, dass das Album begeistern wird und wir mit vielen Tanzwütigen die Tour erleben dürfen. Wir werden bestimmt noch das ein oder andere Video machen (erste Sibgle & Video: "Alles Roger!"). Und diesmal haben wir uns auch vorgenommen, dass wir uns in den nächsten 3 Monaten auch mal prügeln wollen. So mit Handkantenschlägen, bis die Nase blutet. Wir wissen aber noch nicht wann.

Mohr: Als Support für die Tournee habt Ihr Eure persönlichen Lieblingsbands dabei. Geschieht dies auch im Hinblick auf mögliche Auslandsaktivitäten des Trios?

Sportfreunde Stiller: Wir sind Fans von Johnossi, Ash und den Shout Out Louds. Gerne würden wir auch Einladungen dieser Bands in ihre Heimatländer annehmen, es gibt aber noch keine Angebote. Uns ist wichtig, dass wir mit einem Konzertabend rundum zufrieden sind. Da gehört ein toller musikalischer Einstieg einfach hinzu und wir ernten dann, was diese tollen Bands säen.

Mohr: Sänger Peter und Drummer Flo waren zwischenzeitlich auch als Autoren aktiv, feierten Achtungs- bzw. Chart-Erfolge mit ihren Zweitbands Tip Top und Boltzplatz Heroes. Geht es 2008 auch in dieser Richtung weiter?

Sportfreunde Stiller: Keine Planung. Rüde macht momentan mit der Band "Flamingo" Alarm, Peter hat das Hobby gefunden Gürtelschnallen zu schnitzen und Flo schreibt bald wieder 7 Romane auf einmal. Also doch Planungen.

Mohr: Recht herzlichen Dank für das Interview und alles Gute bis zum 22.10.07 in Bamberg/Jako Arena. weitere Infos: www.sportfeunde-stiller.de
Frank Keil



Sabrina Setlur
Ein neues Leben in Rot


Sabrina Setlur, die mit über zwei Millionen verkauften Tonträgern erfolgreichste deutsche Rapperin aller Zeiten und dreimalige ECHO-Gewinnerin hat mit "ROT" ihr sechstes Studio-Album aufgenommen. Die Frankfurter Musikerin - um die es in den letzten Jahren in der Öffentlichkeit nie wirklich still geworden ist - bietet nun wieder über ihre Musik einen Einblick in die bewegten Zeiten, die hinter ihr liegen. Im Gespräch mit plärrer-Autor Frank Keil erzählt Sabrina Setlur über die Magie der neuen Platte.

plärrer: Wie hast Du die Zeit seit der letzten Veröffentlichung, der Hit-Compilation "Das Beste von 1995 bis 2004" verbracht?

Sabrina Setlur: Meine Best Of-Platte "10 Jahre Sabrina Setlur" erschien 2005 in direktem Anschluss an die "Sabs"-Kampagne (viertes Album, 2003). Danach habe ich mich etwas erholt und seitdem arbeite ich zusammen mit meinem langjährigen Produzententeam Moses Pelham & Martin Haas an "ROT". Mache ich einen unausgelasteten Eindruck?

plärrer: Welche Erwartungshaltung hast Du und auch Dein Management/Deine Plattenfirma an die 15 neuen Lieder (der 15. Titel entsteht nach der Veröffentlichung der Single "Lauta" unter Einbindung der Fans)?

Sabrina Setlur: Die einzige Erwartung die ich hatte, hat sich bereits erfüllt. Nämlich eine Platte zu machen, die mein momentanes Lebensgefühl ausdrückt. Das fühlt sich sehr gut an. "ROT" entstand ja zuerst in meinem Herzen und meinem Kopf. Neben Pelham/Haas habe ich vor allem Unterstützung von einem jungen Producer namens Bayz Benzon und wirklich unfasbaren Sängern, die zum grüßten Teil auch meinen Chor bilden, erfahren.

plärrer: Was verbirgt sich hinter dem Album-Titel und wo liegt der Unterschied im Vergleich zu den Vorgängern?

Sabrina Setlur: Die üblichen Assoziationen wie Liebe, Alarm, Leidenschaft. Aber auch die Intensität die von der Farbe ausgeht und sie zu einer unübersehbaren Signalfarbe macht, spielen eine Rolle. Ich finde, dass all das meine momentane Perspektive ganz gut einfängt. Logischerweise ist keine meiner Platten so nah an dem Menschen der ich heute bin, wie "ROT". "ROT" ist sicher die schnellste Platte die ich je gemacht habe und die abwechslungsreichste.

plärrer: Mit "Lauta" oder "Zweifellos" sind Dir hitverdächtige Titel gelungen. Sie sind für mich die beiden besten des neuen Albums. Hast Du Favoriten und wenn ja, welche?

Sabrina Setlur: Ehrlich, das wechselt dauernd, je nach meinen persönlichen Bedürfnissen. Zum Durchdrehen sind es für mich "Lauta", "Discolampen", "Im Roten Raum" und "I Think I Like It". Zur Motivation "Überleben" und "Dieses Mal". Wenn ich gefrustet bin, eher "Rot", "Als Sei Nix Gewesen" und "Lass Mich Los". Und wenn ich das Bedürnis habe von einem Lied richtig umarmt zu werden, wieder eher "Zweifellos", "Am Feuer" und "Bald Vielleicht O.K.".

plärrer: Wie weit haben 13 Jahre erfolgreiches Künstlerdasein Dich selber verändert? Mit welchen Zielen gehst Du in die nächsten Monate?

Sabrina Setlur: Na ja, wir verändern uns doch alle dauernd. Was in meinem Fall am Künstlerdasein lieg tund was nicht, kann ich gar nicht genau festmachen. Ich denke, ich bin wieder ein bißchen erwachsener geworden, ohne dabei weniger kindlich begeistert zu sein. Nächstes Ziel ist es, das Album auf die Bühne zu bringen. Alle Infos zur Tour findet man auf meiner Seite www.sabrinasetlur.de

plärrrer: Herzlichen Dank für das Gespräch und alles Gute für die Zukunft!
Frank Keil



Taubertal Open Air in Rothenburg ob der Tauber
10. bis 12. August 2007


Zauber der Tauber

"Rothenburg, alter Städte Königin / Ob der Tauber stolz sie thront / Menschen ziehen in Scharen zu ihr hin / In so manchem Herzen sie wohnt." Wenn der Oberbürgermeister gute Laune hat, kommt er schon mal ins Singen. Es ist aber auch zu schön:Bauten aus dem Mittelalter, Romantik auf Schritt und Tritt. Kaum eine andere Stadt zieht Touristen aus aller Welt so in den Bann. Und von der Stadt sind es nur ein paar Schritte in die Natur, wo im August zum 12. Mal das renomierte Taubertal Open Air stattfindet. Dort allerdings singt man ganz andere Lieder.

Das Taubertal-Festival hat sich dank der Zusammenarbeit zwischen "K.O.K.S"- Promotion" aus Hannover, dem örtlichen Veranstalter "Karo Konzert-Agentur" und renomierten Partnern längst bundesweit etabliert und ist stets ausverkauft. 30.000 Gäste kommen jedes Jahr, das ist viel, aber nicht zu viel, um das beschauliche Idyll zu trüben. Ein frühzeitiger Gang zum Vorverkaufsschalter ist daher in jedem Fall ratsam, es gibt 1-, 2-, und 3-Tages-Tickets. 2007 gastieren mehr als 25 internationale Acts zwischen Berg und Tal. Was die Auswahl der Künstler angeht, braucht man sich in Rothenburg nicht zu verstecken. In den vergangenen Jahren spielten u.a. Die Ärzte, Sportfreunde Stiller, die Toten Hosen, Seed und Wir Sind Helden auf der Eiswiese, siehe dazu auch die erste Taubertal Doppel-DVD von 2006. Und auch in diesem Jahr stehen wieder fette Rock-Gigs aller Stilrichtungen auf dem Programm der Bühnen: P!nk, Beatsteaks, Mando Diao, H-Blockx, und natürlich Gentleman and The Far East Band.

Dieser meldet sich gerade mit seinem vierten Studioalbum "Another Intensity" inklusive der Hitsingle "Different Places" eindrucksvoll zurück. Zweieinhalb Jahre ist er mit dem Vorgänger um die Welt getourt, fühlte sich danach motivationslos. "Ich habe erst einmal Pause gemacht, in der Hoffnung, dass der Hunger, die Leidenschaft schon wiederkommen." Mehr noch, denn Gentleman hat mit Songs wie "Evolution", "Soulfood" oder "Hosanna" ein neues Level erreicht. Zuerst im eigenen Kellerstudio in Köln, dann in Leipzig und Hannover mit der Far East Band und zuletzt auf Jamaika, wo Gäste und Weggefährten wie Jack Radics & Rings, Sizzla und Diana King die Aufnahmen veredelten. "Vom Inhalt her hat sich gegenüber früher nichts großartig verändert, teilweise ist dieser persönlicher, handelt mehr von zwischenmenschlichen Beziehungen, auch wenn universelle Themen immer wieder auftauchen" erklärt der zweifache Vater. Und mutmaßlich wird "Another Intensity" auch das Taubertal erobern, bevor Gentleman damit auf eine ausgedehnte Europatournee geht.

Aber auch der Nachwuchs kommt zu seinem Recht. Im Zuge des "Emergenza"-Newcomer-Finales messen sich die Sieger der einzelnen europäischen Vorausscheidungen, die Stars von Morgen. Nicht auf glühendem Asphalt, sondern inmitten ursprünglicher Natur geht hier die Party ab, was Singles, Pärchen, Gruppen und Familien gleichermaßen schätzen. Daher gibt es eine enge Kooperation mit Sounds For Nature (www.bfn.de) Dies ist ein Projekt zwischen dem Bundesamt für Naturschutz, K.O.K.S., der Deutschen Rockmusikstiftung und dem Institut für Umweltkommunikation.

"Freakig", so bringen es die Gäste auf den Punkt, "in Zeiten totaler Kommerzialisierung wird hier ein ursprünglicher Festivalgedanke aufrechterhalten." Faire Getränke- und Essenspreise verstehen sich da von selbst. Zudem gibt es ein umfangreiches, aber nicht übertriebenes Rahmen und Aftershowprogramm. Und wer dann doch einmal Pause vom Festivalgeschehen braucht, der wandert entlang des Campingareals über den Taubertalweg in Richtung Natur.

Alle aktuellen Infos zum Festival, das am Freitag 10.08.07 nachmittags auf der Hauptbühne startet, erhaltet ihr unter www.taubertal-festival.de

Frank Keil



Darien Prophecy
"Natural Vibes"


Es ist dieser einzigartige Gesangsstil, der einen sofort in seinen Bann zieht, wenn man zum ersten Mal die Songs des Sängers und Songwriters Darien Prophecy hört. Dieser aus der Seele sprechende Gesang ist nicht nur von der Muttersprache des in Mandeville/Jamaica aufgewachsenen Künstlers mit Wahlheimat Ipswich/England beeinflußt, sondern vor allem von den stilistischen Klammern Gospel, Soul und Roots Reggae. Darien Prophecy alias Clive Darien begeisterte sich bereits in jungen Jahren für Musik. Während er durch seinen Vater das ABC des Roots Reggae erlernte, begeisterte ihn seine Mutter via Kirchenchor für Gospel. Folglich ziehen sich auf seinem Debüt "Natural Vibes" die Reggae-Riddims wie ein roter Faden durch das gesamte von Innerheart produzierte Album.

Obwohl Darien Prophecy mit den 11 Stücken durchaus Vergleiche zu Reggae-Größen der 60er und 70er Jahre zuläßt, handelt es sich bei den Songs von "Lift Up The Name" über "You Better Be Ready" bis hin zu "Hail Him" um handwerklich erstklassigen, zeitgemäßen Roots Reggae. Und auch wenn sie sich persönlich nie getroffen haben, darf vor allem Garnett Silk als Einfluss genannt werden. Beschwört doch Dariens Gesang in Text und Tonfall den Vergleich mit dem 1994 tragisch verstorbenen Bob Marley-Nachfolger immer wieder herauf. Nicht weiter verwunderlich also, dass dessen Brüder 1995 Nachbarn von Darien Prophecy wurden und dessen Fähigkeiten in punkto Songwriting maßgeblich förderten.

Darien Prophecy macht auch textlich seine Welt- und Gottessicht einer breiten Masse zugänglich. Als bekennender Rastafari geht es ihm vor allem um ´Conscious Reggae´, sich seiner Verantwortung als Künstler gegenüber dem Publikum bewußt zu sein, sinnvolle und sinnstiftende Inhalte zu vermitteln. Songs wie die erste Single "Natural Vibes" - 2006 ein Nr. 1-Hit auf www.reggaefrance.com - erzählen einfache Geschichten des Lebens mit hohem Identifikationspotenzial für den Hörer. Ehrliche und atmosphärische Lieder voller Liebe, mit gehaltvollen, spirituell bis sozialkritischen Lyrics, die Jamaica, den Reggae und die Rasta-Philosophie wieder ins rechte Licht rücken sollen.

Kurz nachdem Darien mit seiner Großmutter nach Suffolk zog, traf er auf den Musiker und Produzenten Gordon ´Innerheart´ Mulrain (u.a. The Pioneers), mit dem er seit 2005 intensiv an "Natural Vibes" arbeitete. Um auch über die notwendige Live-Präsenz zu verfügen, stellten sie gemeinsam eine Band zusammen, die sich jetzt anschickt, europäische Bühnen zu erobern. Nicht nur bei Songs wie dem Dub-lastigen "Lion Of Judah", dem Hip Hop-beeinflußten "Art Of Love" oder dem melancholisch-groovenden "Mama" findet das Zusammenspiel des Septetts seine Höhepunkte. Darien Prophecy, der Mann mit der weichen, hohen Stimme dürfte es erfolgreich schaffen, neue Hoffnung in der weltweiten Roots Reggae-Szene zu wecken. "Mein größter Traum ist es Menschen mit meiner Musik zu erreichen." Diesem Ziel ist der sympathische Jamaicaner mit "Natural Vibes" ein ganz großes Stück nähergekommen. Der Siegeszug dieses Reggae-Botschafters scheint kaum aufzuhalten.
Frank Keil



Nosliw
Mehr Davon (Rootdown Records)


Stars of young Germaica: Gentleman, Sebastian Sturm, Marlene Johnson, Martin Jondo und natürlich Nosliw. Drei Jahre nach seinem Debüt erscheint mit "Mehr Davon" dessen neues Album. Und den 13 Stücken von "Mehr..." über die erste Singleauskopplung "Immer wieder hören" bis hin zu "Ticket zu ´ner ander´n Welt" hört man deutlich an, dass der Künstler dank Rückkehr zum kleinen feinen Indie-Label Rootdown Records und unter Mithilfe von Teka/Silly Walks Movement/Guiseppe Copolla in punkto Songwriting, Gesang und Produktion deutlich zulegen kann. Stilistisch bleibt er seinem deutschsprachigen Mix aus Reggae, Hip Hop Sounds und einer Prise Soul treu, die Fans werden ihm den Rootsreggae-Schwerpunkt sicherlich danken. Insgesamt liefert der Wahlberliner eine feine Reggae- & Dancehall-Party ab, die gleichermaßen zuhause oder auf der Tanzfläche funktioniert. Aber auch was die Texte angeht, bleibt Nosliw inhaltlich gewohnt anspruchsvoll und umsichtig, siehe "Es hat sich nichts geändert" oder "Loser". Frank Keil
Frank Keil



Oysterband
Meet You There (Westpark/Indigo)


Auch heute noch ist die Oysterband eine der eigenständigsten und originellsten Formationen Englands. Ihre Karriere begann 1986 mit dem Debütalbum "Step Outside" als eine Art keltische Folkband mit Rockeinflüssen. Die traditionellen Wurzeln sind immer noch hörbar, "Meet You There" bietet aber dank vielfältiger Weltmusik-Einflüsse zweifellos eine neue Sichtweise auf Folk. Geblieben ist die Bedeutung, die Sänger John Jones und seine vier langjährigen Begleiter ihren Texten zumessen. Die kritische Auseinandersetzung mit Politik und Globalisierung, wie in "Here Comes The Flood", gehört nach wie vor zu ihren Anliegen. Kreativität im Kollektiv, das macht 2007 einen Großteil der Bandphilosophie aus. Man nehme auf der einen Seite das afrikanische Intro zum Opener "Over The Water" und als Kontrast dazu die Rockabilly-Gitarre von "Someone Somewhere". Dazu gesellt sich der ausdrucksstarke Gesang von Jones, der z.B. "Dancing As Fast As I Can" fast hymnenartigen Charakter verleiht. Auch über 20 Jahre nach ihrer Bandgründung bürgt die Oysterband für hohe Qualität zwischen Folk und Rock.
Frank Keil



Orishas
Antidiotico (EMI)


Mit ihrem Debütalbum >>A Lo Cubano<< lieferten die Orishas, drei in Europa lebende Exil-Kubaner, bereits 1999 die perfekte Kombination aus Salsa, Merengue, kubanischer Musik und HipHop ab. In der Folgezeit erschienen zwei weitere Chart-Alben des Trios, die jetzt mit >>Antidiotico<< eine Best Of-Doppel-CD plus Bonus DVD vorlegen. Klar, dass darauf die großen Hits wie >>A Lo Cubano<<, >>El Kilo<< und >>Emigrantes<< nicht fehlen dürfen. Zusammengestellt von den drei Musikern Roldan, Yotuel und Ruzzo Feroz sowie Produzent Laurent Rodriguez-Sotelino, beweisen sie, dass die Orishas mittlerweile ihre Fusion aus eingangs erwähnten Stilen nochmals perfektioniert haben. Auch optisch unterstreichen die Orishas auf der Bonus DVD mit acht Titeln (darunter der Hit >>Que Pasa?<<, dass Son, Mambo und Cha Cha Cha dem Rap ihrer Heimat die unverwechselbare Identität geben und die Musik der alten Generationen durchaus mit modernen Klängen kompatibel ist.
Frank Keil



The Dualers
The Melting Pot (Galley Music)


Gelegentlich hört oder sieht man eine Band, die auf CD und Bühne gleichermaßen überzeugend wirkt. Die britischen The Dualers, hinter denen sich die beiden Brüder Si und Tyber Cranstoun sowie fünf weitere Musiker verbergen, sind eine dieser Gruppen. Jahrelang haben sie als Straßenmusiker in London ihr Set erprobt, dann wöchentlich in einem Pub ihre loyalen Fans begeistert. Und jetzt setzen sie mit dem 15 Stücke umfassenden Debüt-Album "The Melting Pot" zum weltweiten Erfolgsprung an. Ihr mitreißender Mix aus Ska (vorwiegend 2Tone beeinflußt), Rocksteady und Early Reggae läßt in musikalischer und textlicher Hinsicht keine Wünsche offen. Die Stimmen von Si und Tyber haben jede Menge Soul und die Band bringt dazu den Sound mit Volldampf voran. Und egal ob es sich um hitverdächtige Eigenkompositionen Marke "You Stole The Show" oder großartige Cover-Versionen wie "Truly Madly Deeply" handelt, mit "The Melting Pot" haben The Dualers ein großartiges Album vorgelegt. Und für die erste wirkliche musikalische Überraschung 2007 gesorgt.
Frank Keil



The Brand New Heavies
Get Used To It (edel Records)


Mitte der 80er Jahre machten The Brand New Heavies erstmals von sich reden. Das Trio mischte kompromisslos Soul, Funk, Jazz und Disco zu einer äußerst tanzbaren, handgemachten Melange und wurde so ein Aushängeschild der weltweit bekannten Acid Jazz-Szene. In ihrer fast 20jährigen Karriere konnten die englischen Brand New Heavies dabei immer wieder mit erstklassigen Sängerinnen aufwarten. Allen voran die mit einer wunderbaren Stimme ausgestattete US-Amerikanerin N´Dea Davenport. Nachdem die Band zwischen Ende der 90er Jahre und Anfang des neuen Jahrtausends einige Jahre pausierte, meldeten sich die Londoner Musiker 2005 erfolgreich zurück. Aber erst jetzt finden sie mit "Get Used To It" und N´Dea Davenport als Sängerin zu ihren alten, großen Erfolgen Marke "Never Stop" und "Dream On Dreamer" zurück. Der Sound, die Vocals und Kompositionen von "We´ve Got" bis hin zu "I´ve Been Touched" wirken nachhaltig überzeugend. Und lassen so kaum Zweifel aufkommen, dass ihr Sound nach wie vor konkurrenzlos ist.
Frank Keil



Lustfinger
Komm erzähl´ mir über Punk


Galten Lustfinger aus München in den 80er Jahren als eine der führenden deutschsprachigen Punkrockbands, hat sich die süddeutsche Antwort auf die Toten Hosen im Laufe der 90er Jahre auch dem Alternative Rock zugewandt. Während ihrer 25jährigen Karriere gab es zahlreiche Besetzungswechsel, die Band hat das Auf und Ab im deutschen Musikbusiness hautnah miterlebt. Doch Sänger/Gitarrist Thomas Fock (Gründungsmitglied) hat dem Punk nie abgeschworen und präsentiert jetzt zusammen mit vier neuen Mitstreitern das aktuelle Album "Achtung Heilig" (BSC/Rough Trade). Und der 13teilige Mix aus Punk, Rock´n Roll und Power-Pop gehört zweifelsohne zum Besten, was Lustfinger seit 1981 veröffentlicht haben. Anläßlich ihres Auftritts beim X-Mas Festival im Z-Bau am 26.12. sprach Autor Frank Keil mit dem Lustfinger-Mastermind.

plärrer: Die neue CD "Achtung Heilig" dürfte nach dem eher schwachen Vorgänger "Eiszeit" auf breite Zustimmung von Fans und Medien treffen. Mit "Heilig", "Märchenland" (auch Lieblingstitel von Thomas)und dem "Geburtstags-Song" sind Euch ja wieder einige hitverdächtige Titel im Spannungsfeld zwischen Punk und Rock gelungen. Welchen Stellenwert besitzen die Songs für Dich?

Thomas Fock: Wir haben uns dieses Mal im Studio Zeit gelassen und die Stücke erst dann aufgenommen, als alle Bandmitglieder den jeweiligen Song für gut befunden hatten. Dadurch haben wir zur alten Stärke wie von Klassikern Marke "Bitte Lieber Staatsanwalt" zurückgefunden. Jetzt brauchen wir den Vergleich mit Genre-Kollegen, ob jung oder alt, nicht zu scheuen.

plärrer: Auch textlich geht es bei Lustfinger nicht nur um ´fun´. Da wird die Papst-Hysterie, die Krankheit Magersucht oder die TV-Ikone Sabine Christiansen besungen. Also kein lyrischer Alleingang mehr?

Thomas Fock: Nein, denn die anderen hatten auch gute Ideen, die unbedingt einfliessen sollten. Der Text zu "Heilig" stammt z.B. von einem Fan, ansonsten hat Bassist Holger Schulten sehr aktiv an den Texten mitgewirkt.

plärrer: Gibt es 2006 eine bestimmte Zielgruppe für Lustfinger? Welches Publikum möchtet ihr mit Eurer Musik ansprechen?

Thomas Fock: Für mich und die Band gibt es keine direkte Zielgruppe mehr. Wir wollen jeden erreichen, der auf ehrlichen, handgemachten und melodiösen PunkRock steht. Auch wenn der ein oder andere Song Hitqualitäten aufweist, man wird uns mit Sicherheit nicht im Radio hören oder auf MTVIVA sehen. Damit habe ich mich abgefunden. Schön ist, dass wir nicht unter dem Zwang stehen, gewisse Verkaufszahlen zu erreichen. Wir machen Musik, die uns gefällt. Und wenn auch das Publikum darauf abfährt, umso besser. Jeder von uns hat da noch die ein oder andere Band in der er spielt und ich schreibe noch recht viel Filmmusik für Fersehserien wie z.B. "Beyblade" auf RTLII.

plärrer: Thematisch haben sich Lustfinger auch immer wieder mit dem TSV 1860 München, Eurem Lieblingsverein beschäftigt. "Löwenmut" und "Grünwalder Stadion" sind die bekanntesten Beispiele. Da darf ein neuer Fußball-Song nicht fehlen, oder?

Thomas Fock: Genau, daher beendet auch "Mia kumma wieda" die neue CD. Und die Band steht geschlossen hinter der Aussage: "...Beim Verlieren und Gwinna, mia stengan einfach immer, ganz geschlossen hinterm TSV...".

plärrer: Wie sieht es für 2007 mit der Live-Präsenz von Lustfinger aus?

Thomas Fock: Es geht uns in erster Linie darum, live zu spielen. Zunächst sicher mehr in Süddeutschland, wo der Name Lustfinger noch präsent ist. Klar müssen wir uns nach einer längeren Abwesenheit unser Publikum erst wieder erspielen, die Clublandschaft ist heute ja auch sehr schnell-lebig. Aber dazu sind wir bereit und darum dürft ihr Euch auf das ein oder andere Punk-Feuerwerk freuen.

Lustfinger-Diskografie

- Harte Männer Tanzen Nicht, 1984
- Last Traktor To Kreml, 1986
- Gassenhauer, 1988
- Alles Im Griff, 1990
- Keine Gnade Für Jesse James, 1991
- Es War Einmal, 1992
- Es War Einmal Part II, 1993
- 6, 1996
- Hits, 1997
- Eiszeit, 2002
- Achtung Heilig, 2006

Frank Keil



Quadro Nuevo
Tango voller Überraschungen


Das deutsche Instrumental-Quartett hat in seiner zehnjährigen Karriere Meilensteine in Sachen europäisch geprägtem Tango gesetzt und ist sich dabei treu geblieben. Das neue Album "tango bitter sweet" (GLM/Soulfood) gleicht einem Überraschungsei der besonderen Art: 18 magnetische Melodien aus Europa - wildes Temperament getrieben zwischen östlichen und westlichen Winden, zwischen verzehrender Sehnsucht und genussvoller Erfüllung - zwischen dem Bitteren und dem Süßen.

"Im Januar 1996 trafen wir uns zum ersten Mal in der Nähe von Salzburg" verrät Saxofonist Mulo Francel auf die anfängliche Frage zur Geschichte von Quadro Nuevo. "Gitarrist Robert Wolf, Kontrabassist D.D. Lowka, den ich aus der Schulzeit kenne, Akkordeon-Spieler Andreas Hinterseher und ich sollten Filmmusik für den ORF einspielen. Aus der gemeinsamen Liebe zur nostalgisch-akustischen Musik war bald ein ein Quartett mit unverwechselbarem Sound geboren." Zigeunermusik, Tango, Valse, Musette, Flamenco, liebevoll entstaubte Filmmusik und ein fast schon verklungenes Italien. Es war sicherlich nicht ganz leicht die verschiedenen Einflüsse der einzelnen Bandmitglieder sofort auf einen gemeinsamen musikalischen Nenner zu bringen? "Klar mußte das Zusammenspiel aufgrund der unterschiedlichen musikalischen Herkunft zwischen Jazz, Orchester und Latin erst gefunden werden, aber es ging unwahrscheinlich schnell, weil die Chemie zwischen uns von Anfang an stimmte." In erster Linie ging es der Band zunächst um das Live-Musik-Erlebnis. Quadro Nuevo spielten seit 1996 rund 1500 Konzerte. Die Auftrittsorte für die vier Musiker und Freunde, die heute alle zwischen München und Salzburg leben, waren dabei so verschieden wie die Wurzeln ihrer Musik. "Unsere Besetzung war nicht nur in Konzertsälen und auf Festivals zu Gast. Wir reisten auch als spielsüchtige Straßenmusikanten durch den mediterranen Süden und forderten als nächtliche Tango-Kapelle das Publikum zum Tanz."

Zunächst waren die CD-Produktionen nur eine Art Nebenprojekt. Es schien den Künstlern auch nicht ganz leicht, ihren unverwechselbaren Bühnen-Sound im Studio 1:1 umzusetzen. Doch von "Luna Rossa" und "Buongiorno Tristezza" über "CinéPassion" und "Canzone della Strada" bis hin zum bisherigen Verkaufsschlager "Mocca Flor" gelang dem Team auch hier Großartiges. Alle fünf CD´s erhielten jeweils den Deutschen Jazz Award und kletterten in die Top Ten der Jazz- und Weltmusik-Charts. "Durch die Erfolge wurde auch das ein oder andere Major-Label auf uns aufmerksam. Als wir dann zu Gesprächen dort im Büro saßen, wurde uns schnell klar, dass wir dort nicht glücklich werden würden. Wir wollen unsere künstlerische Freiheit, zu der Booking, Design, Produktion und Merchandise gehören, nicht für den kurzlebigen Hype aufgeben." Im Sommer 2005 veröffentlichte das Quartett seine erste DVD "Quadro Nuevo Live" und bekam in Paris den Europäischen Phono-Preis Impala verliehen. "Darauf sind wir schon ein bißchen Stolz. Einerseits ist es eine Bestätigung für unsere Arbeit, andererseits ein wichtiger Aspekt für Label und Vertrieb, die Verkäufe draußen leichter zu machen. Und was die DVD angeht: Man muss dazu sagen, dass der BR Alpha-Konzertmitschnitt von der 35. Internationalen Jazzwoche in Burghausen wirklich hervorragend geworden ist." Oft hat man bei Instrumental-Musik ja den Eindruck, dass dieses Genre beim reinen Hören schnell langweilt. Aber Quadro Nuevo haben zu einer ganz eigenen Form der Tonpoesie gefunden, die sich den Genre-Schubladen durch Bereicherungen und Leichtigkeit entzieht. Stichwort Virtuosen: Mulo Francel, Robert Wolf, D.D. Lowka und Andreas Hinterseher erklingen auch auf "tango bitter sweet" wieder im unverwechselbaren Quadro Nuevo-Sound. "Es ging uns in erster Linie darum, europäische Klassiker mit Eigenkompositionen zu kombinieren. Die persönliche Note und die außergewöhnliche Instrumentierung mit Klarinette, Mandoline, Vibraphon oder Vibrandoneon sorgt hoffentlich dafür, dass man sich unserem Sound nur schwer entziehen kann. Es geht uns nach wie vor um handgemachte Musik auf akustischen Instrumenten."

Mit der Lust, immer wieder neu zu gestalten und zu improvisieren. Ein Schlüssel zur Frage, warum spielen Quadro Nuevo als Europäer eigentlich Tango? "Er wurde in Argentinien geboren, faßte zwischen dem 1. und 2. Weltkrieg Fuß in Europa, lebte weiter, entflammte Tänzer, Hörer, Musiker und nicht zuletzt uns." Was bei der Fülle an Originalen und nostalgischen Klängen die Auswahl an geeigneten Stücken für die aktuelle CD, die in der Nähe von München unter der Regie von Georg F. Löffler eingespielt wurde, sicher nicht einfach gemacht hat. "Jeder von uns hat so ca. 10-15 Stücke mit in den Proberaum/das Studio mitgebracht, dann wurde ausgewählt. Was sie verbindet ist, dass alle Lieder auf diesem Album aus Europa stammen." So erblühen Klassiker wie "petite fleur", eine 50er Jahre Melodie des in Paris lebenden Klarinettisten Sidney Bechet neben "the windmills of your mind", einer Filmmusik des französischen Komponisten Michel Legrand und "et maintenant", inspiriert von Gilbert Bécaud. Denen Eigenkompositionen wie "tango bitter sweet", "swing vagabond", "an einem winterabend" oder "isla de las mujeres" durchaus ebenbürtig zur Seite gestellt werden. Und dass Quadro Nuevo immer für eine Überraschung gut sind, beweisen sie nicht zuletzt mit den folgenden Liedern:"paroles, paroles", ihrer veträumten Version eines Hits der schönen Ägypterin Dalida (geschrieben von Gianni Ferrio). Dann durch "avant de mourir´ - son nefes". Es stammt aus der Feder des Rumänen Georges Boulanger und wurde in den USA zu einem Hit für die Platters - als auch in der Türkei zum Tango-Verkaufsschlager durch Ibrahim Özgur. Und es sollte mich schwer wundern, wenn sich der "säbeltanz", ein wilder Steppenritt von Aram Khatchaturian nicht zum Quadro Nuevo-Renner bei den anstehenden Live-Konzerten entwickeln würde.

Im Jahr 2005 spielten Quadro Nuevo zalreiche Konzerte im Ausland. Derzeit ist man auf einer dreimonatigen Deutschlandtournee unterwegs. "Dabei soll das Publikum Spass an unserer Musik haben. Wir sind uns durchaus bewußt, dass es unsere Fans sind, denen wir es in erster Linie zu verdanken haben, dass wir im Laufe unserer Karriere so erfolgreich wurden." Weitere Infos: www.quadronuevo.de
Frank Keil



Bif Naked
Kanadische Powerfrau auf Deutschland-Tournee


Eine faszinierende, lebenshungrige und aüßerst kreative Frau. Bereits mit ihrem Debüt-Album "Bif Naked" sorgte die im indischen Neu-Dheli geborene Sängerin 1995 für Aufsehen im Genre Alternative-Rock. Dank Piercings und Tattoos verkörperte sie ein extremes Image, zu dem sich ein schillerndes musikalisches Statement gesellte. Seit den frühen 90er Jahren ist Bif Naked ein Eckpfeiler der Rockszene ihrer Wahlheimat Kanada. Jetzt legt sie mit ihrem neuen Album "Superbeautifulmonster" nach, dessen erste Single "Let Down" in Kanada als People´s Choice zum besten Video bei den Much Music Video Awards nominiert wurde. Der plärrer nutzte ihren Auftritt beim Taubertal-Festival in Rothenburg zum emotional intensiven Gespräch mit Beth Hopkins alias Bif Naked.

plärrer: Zwischen dem Debüt (1995) und dem zweiten Album "I Bificus" (1998) hat sich persönlich viel für Dich verändert. Dein musikalisches Statement wurde weltweit wahrgenommen.

Bif Naked: Zuerst zählte nur der Gedanke, auch als Frau gleichberechtigt Rock´n Roll zu machen. Ich war bei meinem Debüt 24 Jahre alt, bin Skateboard, BMX und Snowboard gefahren, habe geraucht und getrunken. Meine Stimme war damals sehr eindimensional. Seit "I Bificus" lebe ich straight edge, trainiere meine Stimme und lerne im Studio und auf der Bühne beständig hinzu.

plärrer: Welche Höhepunkte hast Du rückblickend aus dieser Zeit noch in Erinnerung? Und wie verlief Deine Karriere bis 2002, wo man Dich zum vorerst letzten Mal live in Deutschland erleben konnte?

Bif Naked: Der Hit "Spaceman" lief bei den unterschiedlichsten Radiostationen rauf und runter, wir tourten annähernd zwei Jahre kreuz und quer durch die USA u.a. mit The Cult, Kid Rock und den Foo Fighters. Ich trat in TV-Shows auf, wurde als Filmschauspielerin engagiert. Und 2001 erschien in den USA und Kanada die CD "Purge" mit der es erneut auf Tournee ging.

plärrer: Auch danach ging die kreative Arbeitswut weiter. Filmeinsatz bei "Crossing", CD/DVD-Veröffentlichung und Tournee zur Best Of "Essentially Naked". Lilith Fair, Moderatorin für MTV Sports, SnoJam. Wobei wir schon bei "Superbeautifulmonster", dem aktuellen von Peter Larroll produzierten Album wären. Eigentlich nur in Europa eine Art Comeback.

Bif Naked: In den USA und Kanada wurde die CD bereits 2005 erfolgreich veröffentlicht. Neben der Tournee gehörte meine zweite Leidenschaft weiterhin anderen Dingen: Einer Schauspielrolle bei "House of the Dead", der Arbeit für das Playstation-Spiel "SSX Tricky", der TV-Show "The L-Word". Und während ich 2006 in Europa mit "Superbeautifulmonster" auftrete, bin ich in den USA mit der TV-Show "Ultimate Fighting" beschäftigt.

plärrer: Der Auftritt beim Taubertal-Festival liess die Wirkung der neuen Songs von "Abandonment" über "Nothing Else Matters" (erstaunliches Metallica-Cover) bis hin zu "After A While" nur erahnen, es fehlte zunächst die richtige Power.

Bif Naked: Was daran lag, dass wir aufgrund der versuchten Anschläge in Heathrow 30 Stunden ohne Schlaf mit Zug und Auto nach Rothenburg unterwegs waren und dort außerdem mit Leih-Equipment spielen mußten. Aber für den Tourabschluss in Nürnberg verspreche ich Euch ein Rock´n Roll-Feuerwerk.

plärrer: Ich denke, "Superbeatifulmonster" ist Deine bis dato beste CD. Tolle Songs zwischen Alternative und Mainstream, ein treffsicherer Mix zwischen Gefühl und Härte. Hast Du den ein oder anderen Lieblingstitel, der auch beim Konzert nicht fehlen wird?

Bif Naked: Ja, in der Tat. Ich hatte schon immer ein Faible für traurige Lyrics, vergleiche nur "Chotee" (1998) über meine frühe Heirat, eine Abtreibung und meinen Ex-Mann. Die Ballade "Henry" ist jetzt so ein Stück über verlorene Liebe und Loslassen. Und auch "After A While" tendiert in diese Richtung, ein Schrei nach Hilfe. Aber dann gibt es ja auch noch "Nothing Else Matters", ein großartigesLiebeslied von Metallica. Wir hatten übrigens einige Jahre denselben Manager. Und natürlich gibt es auch wieder einige Lieder über meine religiösen Erfahrungen zu hören.

plärrer: "Superbeautifulmonster" erscheint in Deutschland über das Indie-Label Bodog Music. Auf deren Webseite gibt es einen Link zu www.bifnaked.com und ich konnte feststellen, dass Du mit Her Royal Majesty Records noch immer Dein eigenes Label besitzt. Was passiert dort so?

Bif Naked: Das Label habe ich schon 1994 mit meinem damaligen Management gegründet und es besteht bis heute. Ich habe darauf sehr unterschiedliche Bands gesignt, u.a. Neurosonic, The Vincent Black Shadow und Soma City Ward. Auch in Zukunft wird es weitergehen, also schickt mir Eure Demos.

plärrer: Zwischen Debüt und "I Bificus" erschien ja auch noch die Spoken Word-CD "Okenspay Ordway I - Things I Forgot To Tell Mommy". Ein Genre, dass Dich auch heute noch interessiert.

Bif Naked: Sobald ich mal wieder mehr Zeit habe, werde ich eine zweite Spoken Word-Veröffentlichung in Angriff nehmen. Ich habe diese Sache nicht aus den Augen verloren.

plärrer: Zum Abschluss noch etwas sehr Persönliches. Deine kanadische Mutter und Dein indischer Vater gaben Dich nach der Geburt zur Adoption frei. Ein amerikanisches Missionars-Ehepaar adoptierte Dich und über die USA bist Du nach Vancouver gekommen. Herausforderungen genug, die es zu meistern galt. Jetzt als 35jährige, denkst Du da über ein Kind und eine eigene Familie nach?

Bif Naked: Ja. Ich möchte gerne ein Baby und einen Ehemann, aber bisher habe ich noch nicht den Richtigen gefunden. Momentan lebe ich in meinem neuen Apartment in Vancouver mit zwei Hunden, die sozusagen meine Kinder sind. Aber warten wir mal ab, was die Zukunft bringt.

plärrer: Danke für das Gespräch und alles Gute für die Deutschland-Tournee. Bif Naked spielt am 02.10. in Nürnberg/Hirsch.
Frank Keil



New York Dolls
One Day It Will Olease Us To Remember Even This (Roadrunner Records)


Bereits zu Beginn der 70er Jahre galten The New York Dolls als Lieblinge des New Yorker Underground. Allen voran der verstorbene Johnny Thunders, David Johansen und Sylvain Sylvain machten in der Folgezeit mit ihrem Mix aus Punk und Glamrock und schrägen Texten weltweit von sich reden. Musikalisch blieben sie hinter den Erwartungen von Fans und Industrie zurück und bereits 1975 ging die Band auseinander. 1979 trennten sich auch Johansen/Sylvain, die jetzt die Band zusammen mit den Musikern Yaffa, Conte, Koonin und Delaney reformiert haben. Warum die Band in den späten 80er Jahren zur Kultband und zu Vorbildern von Acts wie Guns´n´Roses und ähnlichen Sleaze-Rock-Combos wurde, wird mit "One Day It Will Please Us To Remember Even This" schnell deutlich. Mit 13 erstklassigen Stücken melden sich die Wegbereiter des Punk-Rock eindrucksvoll zurück. Und jetzt überzeugen auch ihre musikalischen Qualitäten nachdrücklich.
Frank Keil



11. Taubertal-Festival in Rothenburg
11. bis 13. August 2006


Bundesweit etabliert dank der bewährten Zusammenarbeit zwischen K.O.K.S.-Promotion/Hannover & dem örtlichen Karo-Veranstaltungsservice haben die massive Medienunterstützung (u.a. durch Bayern 3), die Lokalität und das Programm dazu geführt, dass das 11. Taubertal-Festival wieder ausverkauft sein wird. Aber Restkarten als Tagetickets sind noch vor Ort erhältlich! Kaum eine andere Stadt zieht Touristen mit ihrer Lage und ihrer unverfälschten Atmosphäre so in den Bann. Von der Stadt sind es nur ein paar Schritte in die Natur, wo man im August andere Lieder singt. Erneut gastieren mehr als 25 internationale Acts zwischen Berg und Tal, und was die Auswahl der Künstler angeht, braucht man sich in Rothenburg nicht zu verstecken. An Highlights hat es in der Vergangenheit wahrlich nie gemangelt. Auch in diesem Jahr stehen wieder fette Rock-Gigs aller Stilrichtungen auf dem Programm der zwei Bühnen: Bif Naked, Bloodhound Gang, Die Happy, La Vela Puerca, Starsailer, Turbonegro, Wir Sind Helden, Towers Of London, Fun Lovin´Criminals, New Model Army und viele andere mehr.

Aber auch der Underground kommt zu seinem Recht. Im Zuge des Emergenza-Newcomer-Finales, das hier stattfindet, messen sich seit sechs Jahren die Sieger der einzelnen europäischen Vorausscheidungen, die Stars von Morgen. Nicht auf glühendem Asphalt, sondern inmitten ursprünglicher Natur (Sounds For Nature, auch in ökologischer Hinsicht ist das Festival vorbildlich) geht hier die Party ab, was Singles, Pärchen, Gruppen und Familien gleichermaßen schätzen. "Freakig", so bringen es die Gäste auf den Punkt, "in Zeiten totaler Kommerzialisierung wird hier ein ursprünglicher Festivalgedanke aufrechterhalten." Faire Getränke- und Essenspreise verstehen sich da von selbst. Zudem gibt es ein umfangreiches, aber nicht übertriebenes Rahmen und Aftershowprogramm. Und wer dann doch einmal Pause vom Festivalgeschehen braucht, der wandert entlang des Campingareals über den Taubertalweg in Richtung Natur. Alle aktuellen Infos zum Festival, das am Freitag 11.08. ab 15.30 Uhr mit Hund Am Strand auf der Hauptbühne startet, erhält man unter www.taubertal-festival.de
Frank Keil



Texas Lightning
Zwischen Lagerfeuer-Romantik und Grand Prix


Lernen Sie Jon Flemming Olsen (Gesang & Gitarre) und Olli Dittrich (Schlagzeug & Gesang), aus Deutschlands TV-Comedy Nr. 1 "Dittsche - das wirklich wahre Leben" (Deutscher Fernsehpreis, Grimmepreis in Gold) von einer völlig neuen Seite kennen. Gemeinsam mit den Profi-Musikern Markus Schmidt (E-Gitarre & Banjo) und Uwe Frenzel (Bass & Vocals) sowie der australischen Sängerin Jane Comerford beweisen sie als Texas Lightning, dass Country auch hierzulande ein modernes Comeback feiert. Nach der erfolgreichen Veröffentlichung ihrer von Fans und Medien hochgelobten Debüt-CD "Meanwhile, Back at the Ranch..." (2005, X-Cell Records/Sony BMG) brach das Quintett mit der Eigenkomposition "No No Never" am 9. März zur Teilnahme des deutschen Vorentscheids zum Eurovision Song Contest 2006 auf - und gewann deutlich. Vor dem Sieg und der Reise nach Athen sprach blaubar.com mit Jane Comerford und Jon Flemming Olsen.

blaubar.com:Die Band gibt es ja bereits seit Mitte der 90er Jahre, zunächst noch unter dem Namen Texas Lightning & The Rodeo Rockets. Heute bist Du das einzig verbliebene Gründungsmitglied. Wann fand das aktuelle Line Up zusammen?

Jon Flemming Olsen:Anfang 2005, zuletzt kamen Olli und Jane dazu. Alle hatten ja bereits langjährige musikalische Erfahrungen der unterschiedlichsten Art gesammelt. Durch ihren Einstieg war die perfekte Besetzung zusammen und wir konnten auch medienwirksam durchstarten. Erst gab es eine Tour, dann die Aufnahmen zur Debüt-CD "Meanwhile, back at the Ranch...".

blaubar.com:Schon immer war der Anteil der Sängerinnen in der Country Musik hoch. Und auch die Konvention, auf ein konservatives Frauenbild festgelegt zu sein, wandelte sich. Wie wird man als Australierin die Sängerin von einer deutschen Country-Band?

Jane Comerford:Ich bin in Australien als Farmerstochter aufgewachsen. Meine Ausbildung beinhaltete Gesang, Klavier, Geige, Ballet und Jazztanz. Bei einem Trip durch die USA und Europa blieb ich in Hamburg hängen. Seit 1984 bin ich Dozentin an der Hochschule für Musik und Theater, arbeite als Vocalcoach, Singer & Songwriter. Nachdem mir die Band ein Demo zum Hören gab, war ich sofort begeistert und stieg bei Texas Lightning ein.

blaubar.com:Kommen wir auf Euer Repertoire zu sprechen. Auf der CD halten sich Rock- und Pop-Klassiker wie "Like A Virgin" (auch Single & Video), "Kiss", "Highway To Hell" oder "Walk On The Wild Side" mit Songs von Country-Legenden wie Johnny Cash, Patsy Cline, Bill Monroe oder Tex Williams die Waage. Wie sieht es live aus und wird es in Zukunft mehr eigene Stücke geben?

Jon Fleming Olsen:Live überwiegen die Country-Songs, ich würde sagen, das Verhältnis ist 2/3 zu 1/3. Unser Herz schlägt sowieso für die Konzerte, hier kommt die Kombination aus Outfit, Spielkunst und Spaß so richtig zur Geltung. Im Rahmen der Vorbereitungen zum Grand Prix entstanden ja einige Eigenkompositionen, bandintern haben wir uns dann für "No No Never" von Jane entschieden. Aber auch das ein oder andere Stück dieser Sessions wird die Öffentlichkeit noch zu hören bekommen.

blaubar.com:Bei der ARD-Galasendung "Der deutsche Vorentscheid 2006 - 50 Jahre Grand Prix" stellt Ihr Euch starker Konkurrenz. Ist die Teilnahme mit einem Country-Titel mehr als nur Promotion für Texas Lightning?

Jane Comeford:Auf jeden Fall. Wir identifizieren uns zu 100% mit der Musik die wir machen. Wir werden alle unsere Gefühle und unser Herzblut in diesen wunderschönen, wehmütigen Titel legen. Die Konkurrenz mit etablierten Künstlern wie Thomas Anders und Vicky Leandros ist groß, aber wir wollen im Deutschen Schauspielhaus in Hamburg gewinnen und dann auch am 20. Mai beim Finale in Athen dabeisein.

(Was Ihnen ja dann auch eindrucksvoll geglückt ist!)

blaubar.com:Wie sieht denn überhaupt die weitere Planung der Band für das restliche Jahr 2006 aus, nachdem Dittsche weiter auf dem Weg zur Kultsendung (mit Jon Flemming als Ingo, Ollie als Dittsche) ist?

Jon Flemming Olsen:Zunächst läuft die ganze TV-, Radio und Print-Promo für den Grand Prix, dann wird wieder live gespielt, vor allem auf den Festivals im Sommer. Ob und wann eine zweite CD eingespielt wird, ist momentan noch nicht entschieden. Jeder von uns hat noch andere Jobs, ist nicht ausschließlich mit Texas Lightning beschäftigt. Ollie und ich müssen uns z.B. primär nach dem Dittsche-Zeitplan richten, da die neue Staffel bereits am 5. März im WDR beginnt.

blaubar.com:Boss Hoss, The Twang, Smokestack Lightnin, Country-Musik mit all ihren Facetten boomt zur Zeit deutschlandweit. Dazu "Walk The Line" von James Mangold mit Joaquin Phoenix in der Hauptrolle. Wie ist Euer Kontakt zu den Kollegen?

Jon Flemming Olsen:Country Musik zeichnet sich durch ihre große Vielfalt aus. Da ich schon lange in der Szene bin, gibt es viele freundschaftliche Kontakte zu anderen Bands, vor allem zu The Twang und den in Nürnberg ja bestens bekannten Smokestack Lightnin´.

blaubar.com:Du bist also Musiker und Schauspieler in Personalunion, stimmt es, dass Du auch für die überzeugend gestaltete Webseite von Texas Lightning zuständig bist?

Jon Flemming Olsen:Da liegst Du richtig. Ich bin auch Grafiker, der in der Vergangenheit viele CD-Cover, Booklets und Webseiten im Musikbereich gestaltet hat. Speziell unsere Seite wird regelmäßig gepflegt und soll den Kontakt zu den Fans ermöglichen. Aber durch die Linkliste u.a. zu Freunden & Kollegen, Country-Heroes und den Gone but not forgotten-Helden können Interessierte der Country Music näher kommen.

blaubar.com:Danke für das ausführliche Gespräch, viel Erfolg in Athen! Weitere Infos findet man unter www.texaslightning.net
Frank Keil



Die Mimmi´s
Geniale Zeit mit jeder Menge Spass & Dosenbier


Am 31.03.2006 feiert Claus Fabian alias Fabsi seinen 50jährigen Geburtstag. Das Besondere daran: Zwischen 1978 und 1981 spielte der Mimmi´s Mastermind und Betreiber des Bremer Weser Labels zusammen mit Campino & Kuddel (Die Toten Hosen) in der Düsseldorfer Punkband ZK, ein Jahr später gründete er mit seiner Frau Elli T. Sex die Mimmi´s und zog der Liebe wegen nach Bremen. Bis heute ist der Veteranenpunk mit den Mimmi´s aktiv und läßt im März/April wieder einmal die Stromkabel deutschsprachiger Bühnen heißglühen. Dann wird allen Konzertbesuchern wieder einmal die Bedeutung von Fun-Punk nähergebracht, oder wie es Fabsi ganz einfach formuliert: "Kommt auf ein Bierchen vorbei, wir sehen uns. Genießt den Moment, solange ihr könnt, denn wir leben nur einmal auf diesem Erdball." Rechtzeitig vor Tourneebeginn sprachen wir anläßlich des Mimmi´s Auftritts am 13.04. in Bamberg/Morph Club mit Fabsi.

blaubar.com: Im nächsten Jahr stehst Du 30 Jahre auf der Bühne, welche Deiner Bands hat rückblickend die größte Bedeutung für Dich?

Fabsi: Jede hat zu der jeweiligen Zeit ihre Bedeutung und ihren Stellenwert für mich. Mit ZK fing Punk in Deutschland an, die Mimmi´s haben seit 1982 durch ihre Achterbahnfahrt reichlich Emotionen freigelegt, Bad Ladies & The Wild Lovers drückten die Verbundenheit zu Schlagzeuger Lars aus und Fabsi & der Peanutsclub haben Elli und mir durch die Freundschaft zu Tex Morton/Andy Laaf (Mad Sin) über zwei Fehlgeburten hinweggeholfen.

blaubar.com: Hast Du noch Kontakt zu den Mitgliedern der Mimmi´s Urbesetzung, die 1982 aus der Band Slipeinlage hervorging?

Fabsi: Nur noch zu Gunda, bei der ich auf Parties manchmal Schallplatten auflege. Sonst habe ich keine konkrete Ahnung was die anderen MusikerInnen heute machen.

blaubar.com: Im Laufe der Jahre gab es zahlreiche Umbesetzungen, Du bist der einzig Verbliebene bei den Mimmi´s. Wer gehört denn zur aktuellen Besetzung?

Fabsi: Lars am Schlagzeug, Niki am Bass, Elf (Rubberslime) an der Gitarre und ich als Sänger. In dieser Besetzung haben wir auch gerade die EP "Du bist Deutschland" eingespielt, aus der Feder von Elf. Dazu kommen noch vier Cover-Versionen aus den Jahren 1979/80, Lieblingssongs (SYPH, Male, ZK) und ein egenes Geburtstagsgeschenk.

blaubar.com: Wie sehen die Pläne der Mimmi´s für die nächsten Monate aus?

Fabsi: Bis zum Sommer werden wir ca. 30 Konzerte spielen, im September gibt es dann die große Helgoland-Sause mit Rubberslime und dann gibt es einige Festivals zu denen wir eingeladen wurden. Parallel arbeiten wir an einer neuen CD, die 2007 zum 25jährigen Bandjubiläum erscheinen soll und eine DVD soll auch noch veröffentlicht werden.

blaubar.com: Bald bist Du 50 Jahre alt, sozusagen der deutsche Charlie Harper (UK Subs). Wie lange wirst Du denn noch mit Punkrock weitermachen?

Fabsi: Das fragen einige und ich kann nur sagen, bis ich in die Kiste gehe! Wenn man älter wird, müssen die Ohren mit lauter Musik zum besseren Hören durchgepustet werden. Also bleibt mir nichts Anderes übrig.

blaubar.com: Neben den Mimmi´s war das Weser Label immer Dein zweites Standbein, seit einigen Jahren ist auch noch Superrock Records dazugekommen. Welcher Künstler/welche Gruppe war denn in der langjährigen Label-Geschichte kommerziell am erfolgreichsten?

Fabsi: Label und Musikverlag betreibe ich alleine und habe zunächst mit EFA, dann mit Indigo als Vertrieb vertrauensvoll zusammengearbeitet. Was die Bands angeht, gab es im Laufe der Jahre doch einige erfolgreiche Bands: The Busters, die Goldenen Zitronen, Rumble on the Beach, Heiter bis Wolkig und die Mimmi´s.

blaubar.com: 1982 erschien die erste Mimmis-Single, "Wir Stehen Auf SV Werder" mit den beiden Hits "Deutscher Meister wird der SVW" und "Immer wieder Werder Bremen". Planst Du als alter Fußball-Fan (erste Liebe Fortuna Düsseldorf) denn mit den Mimmi´s irgendwelche Specials zur Fußball-Weltmeisterschaft?

Fabsi: Nein eigentlich nicht. Wir werden in meinem Garten sitzen und ich habe bis dahin hoffentlich meinen Zirkuswagen um dort ein WM-Studio einzurichten. Dann werde ich mit den Kumpels ganz entspannt am Lagerfeuer sitzen und die Spiele per Beamer auf einem Bettlaken ansehen.

blaubar.com: Kommen wir noch einmal auf ZK zurück. Im Vorwort zur 1996 auf dem Weser Label veröffentlichten Best Of-CD "Auf der Suche nach dem Heiligen Gral" schreibt Campino über die Zeit zwischen 1978 und 1981: "Held zu sein für eine Nacht, dafür haben wir gelebt." Natürlich hätte es die Toten Hosen ohne ZK nie gegeben, triffst Du Deine alten Weggefährten noch ab und zu?

Fabsi: 2004 haben wir sozusagen unser 25 jähriges Bühnenjubiläum gefeiert und wir haben einen Nachmittag lang bei Campino gefeiert. Er, Kuddel, Isi (ex-Panhandle Alks) und ich. Da hat sogar MTV drei Stücke im Proberaum mitgeschnitten. Ansonsten beschränken sich unsere Treffen auf Konzertbesuche und Karneval. Am 21.11.2006 ist ja der 25jährige Todestag von ZK, da wird vorher spontan entschieden ob was Gemeinsames geht. Eine Reunion wird es aber wohl nicht geben, eher so spontane Zusammenkünfte wie bei Geheimkonzerten von den Toten Hosen oder den Ärzten.

blaubar.com: Rückblickend hast Du uns allen ja (wir kennen uns auch schon seit Sommer 1985) mit den Mimmi´s zahlreiche Singles und Alben beschert, angefangen von "Was´n Hier Los? bis zur letztjährigen CD "Hinsetzen Maulhalten". Was sind denn Deine Lieblingstitel/Lieblingsbands, die Dich musikalisch geprägt haben?

Fabsi: Nimm die Ramones, die Lurkers, die Undertones, die Small Faces, die Kinks, 999, Tenpole Tudor..., da sieht man schon, die Einflüsse hören nicht auf und ich brauch jetzt meinen Schlaf. Bei Titeln sieht es dann schon besser aus: "Blitzkrieg Bop", Teenage Kicks", "New Guitar In Town", "Altbierlied", "Freunde", "American Idiot", das macht mich aber jetzt genauso fertig, die Liste. Im Moment habe ich aber einen Dauerbrenner, "You Only Live Once" von den Strokes, ein Jahrhunderthit. Ok, ich hör jetzt auf, Punkrockgrüße von Fabsi!

blaubar.com: Auch wir in Bamberg freuen uns schon auf die Feierlichkeiten mit den Mimmi´s. Bis dahin alles Gute! Weitere Infos unter www.weserlabel.de
Frank Keil


NoRMAHl
Komm erzähl mir über Punk...


Seit genau 27 Jahren ist der 40jährige Lars Besa Frontmann der von ihm gegründeten Punkband NoRMAHl aus dem schwäbischen Winnenden in der Nähe von Stuttgart. Was für ihn bedeutet: "Punk ist keine Religion, Punk heißt nur seinen eigenen Weg zu gehen - bis heute, ohne wenn und aber." Und abseits von kommerziell so erfolgreichen Vorzeige-Bands Marke Ärzte/Tote Hosen haben die Musiker um Lars Besa unzählige Konzerte gespielt und zahlreiche CD´s veröffentlicht. Reich geworden sind sie nicht, aber zum Überleben hat es wenigstens immer gereicht. Und so treten NoRMAHl derzeit wieder an die Öffentlichkeit, im Gepäck die neue CD "Voll Assi", zweifelsohne eines der besten Alben der wohl dienstältesten deutschen Punkband, inkl. der hitverdächtigen Ballade "Sonne im Dezember". Folgerichtig entschied sich blaubar.com anläßlich des NORMAHl-Konzerts am 18.02.2006 in Bamberg/JUZ zum ausführlichen Blick hinter die Kulissen.

blaubar.com: Komm erzähl mir über Punk... heißt es treffend auf der aktuellen Single-CD. Erzähl unserem Publikum doch ein wenig über die Anfänge der Band.

Lars Besa: Ganz am Anfang waren noch Pippy Pirpamer, Thomas Kögel und Helmut Krizsan dabei. Uns trieb natürlich die Kleinstadt-Langeweile ständig irgendwo in Stuttgart herum und es gab ja zu dieser Zeit noch genügend kleine Plattenläden, die abseits von Pink Floyd-Wischiwaschi Import-Platten aus England und den USA abseits des Mainstream verkauften. Und dann brach natürlich der Punkrock mit aller Macht aus England herein. Ich habe mir damals die erste Ramones-LP gekauft. Es war meine erste Schallplatte und da haben wir beim Hören gedacht: Wow, wie man mit drei Akkorden und einem relativ schlechten Schlagzeuger so eine Power rüberbringen kann, das können wir auch.

blaubar.com: Welche Musik hat Euch damals am meisten beeinflußt, eher britische oder amerikanische?

Lars Besa: Wir hatten damals nicht unbedingt den Horizont, um zwischen englischem und amerikanischem Punkrock zu unterscheiden. Wir waren froh über jede Punkplatte, die wir in die Hände bekamen. Klar, natürlich waren es Bands wie The Clash, The Damned und The Sex Pistols die uns beeinflußt haben. Am meisten aber mit Sicherheit The Ramones.

blaubar.com: 1980 erschien die erste NoRMAHl-EP "Stuttgart über alles", 1981 das erste Album "Verarschung total". Von Anfang an hattet Ihr auf Deutsch gesungen, warum?

Lars Besa: Weil unser Englisch aufgrund unserer relativ kurzen Schullaufbahn nicht gerade überragend war, was allerdings Leute wie Dieter Bohlen auch nie gestört hat. Aber vor allem, weil es in diesem Land genügend zu sagen gab und gibt, was eben für uns nur auf Deutsch geht.

blaubar.com: Welche LP der 80er Jahre und welche LP der 90er Jahre würdest Du als jeweils Wichtigste für NoRMAHl ansehen?

Lars Besa: Die erste LP "Stuttgart über alles", dann "Kein Bier vor Vier" (1989), weil es auf musikalischer Ebene ein vollkommen neuer Schritt war. Im Hinblick auf die 90er Jahre mit Sicherheit "Blumen im Müll" (1991).

blaubar.com: Nach dem bezeichnenden Album "Auszeit" (1993) kam es 1996 zur Trennung der Band. Damals hast Du mit dem Soloprojekt L.A.R.S. weitergemacht. Wie lief das so?

Lars Besa: Von der Musik und von den Texten her gab es eigentlich keinen grossen Unterschied. Aber die Live-Auftritte gingen eher in die Hose. Die Musiker die damals mitgespielt haben, kamen eben nicht aus dem Punkmilieu und alles wirkte hölzern. Rückblickend war es einen Versuch wert, aber so richtig Rocken tut eben nur NoRMAHl.

blaubar.com: Deine Schwester hatte zu dieser Zeit doch auch eine deutschsprachige Band, bist Du dort involviert gewesen?

Lars Besa: Nein, ich mache nach diversen Ausflügen in das Musikbusiness heute nur noch NoRMAHl. Mit allem was dazu gehört, Musikverlag, Musikproduktion und Management.

blaubar.com: 2002 kam es, zum Glück vieler Fans, zur Reunion von NoRMAHl. Wer war dabei, wer ist heute noch mit von der Partie/Party?

Lars Besa: Es ist die gleiche Besetzung die bis 1996 gespielt hatte. Pippy ist allerdings nach der Veröffentlichung von "INRI 21" (2001) nach Neuseeland ausgewandert, für ihn kam Ersatz.

blaubar.com: Stilistisch und textlich wurde die alte Linie beibehalten. Wo siehst Du die Band heute und in Zukunft?

Lars Besa: Man muss NoRMAHL als Gesamtes sehen. Band, Label, Musikverlag und Booking. Es ist eine Art von Fulltime-Job, was uns alle aber nicht daran hindert, gelegentlich auch noch andere Jobs zu machen. Wir wollten uns bei der Reunion auf keinen Fall von irgendwas abhängig machen und werden das auch in Zukunft nicht tun.

blaubar.com: Kannst Du den Kern der neuen CD "Voll Assi" mit insgesamt 14 Stücken treffend auf den Punkt bringen?

Lars Besa: "Voll Assi" ist mal wieder eine typische NoRMAHl-Platte, die sowohl unsere Erfahrungen mit staatlicher Willkür und unserem ständigen Ärger mit der Justiz bearbeitet, siehe "Friss und stirb". Aber natürlich gibt es auch Spasslieder, die Alkoholkonsum und Sex zum Thema haben, wie z.B. "Wein und Tabakdunst" oder das Straßenjungs-Cover "Ich brauch meinen Suff". Die Mischung stimmt und daher sind wir mit dem Ergebnis sehr zufrieden.

blaubar.com: Gilt das Angebot für weibliche Sängerinnen, "Blumen im Müll" im Duett mit Dir zu singen, auch für Bamberg?

Lars Besa: Natürlich. Wir haben sogar schon eine erste Sängerin gefunden.

blaubar.com: Brennpunkt ´Politische Ecke´ auf der NoRMAHL-Webseite: Wie denkst Du über ´zweierlei Maß´ und ´Deutsche Justiz´?

Lars Besa: Dieses Thema bringt mich nach wie vor auf die Palme. Wir haben genügend negative Erfahrungen mit der Justiz gemacht. Und wenn man sieht, wie Richter und Staatsanwälte vor Ackermanns, Essers und Meineidlern wie Helmut Kohl herumkriechen, bleibe ich bei meiner Aussage, dass hierzulande mit zweierlei Mass gemessen wird.

blaubar.com: Recht herzlichen Dank für das offene Gespräch. Nicht nur ich freue mich schon auf das Konzert am 18.02., denn fest steht, bei NoRMAHl lebt die Idee des Punk auch bei jungem Publikum weiter. Weitere Informationen unter www.normahl.de
Frank Keil



Abuela Coca
Der Rhytmus des ´barrio´


Die ´Coca-Oma´ ist eine alte Frau, die im Viertel wegen ihrer Weisheit und Heilkunst geehrt und geachtet ist. Die Band aus Uruguay wird nicht nur in ihrem Viertel verehrt - sie heilt nicht mit Kräutern sondern mit allem was groovt. Neben La Vela Puerca sind sie ´die Band´ aus Uruguay und haben angeblich schon in allen Orten des Landes gespielt. Ihr Hit-Track "El Ritmo del Barrio" (Compilation:"Mestizo Music" Trikont/2005) erzählt von dem großen Traum, in Europa ein tolles Leben zu haben, von Visa-Problemen und Illegalität und davon, dass nicht alles so ist wie es zu sein scheint. Musikalisch gründet sich der Mestizo-Sound auf eine Abgrenzung vom anglo-amerikanischen Mainstream und setzt stattdessen auf Pop-Traditionen aus Lateinamerika und der Karibik. Anläßlich ihrer aktuellen Veröffentlichung "El Cuarto De La Abuela" (Übersee Records) und ihrer Europa-Tournee sprachen wir mit der südamerikanischen Gruppe aus Montevideo.

blaubar.com:Abuela Coca ist ein verkürzter Bandname. Welche ursprüngliche Bedeutung versteckt sich dahinter?

Abuela Coca:Die Abkürzung von Los Assesinos de la Abuela Coca. Als wir mit unserer Band anfingen, gab es in Uruguay nur Musik innerhalb bestimmter Stile/Genre. Wir haben mit diesen Regeln gebrochen, haben Rock, Ska, Mestizo und Latin in einem Song miteinander vermischt. Seit unserer ersten CD, "Abuela Coca", die bereits 1996 erschien.

blaubar.com:Im Laufe der Bandgeschichte gab es diverse personelle Umbesetzungen. Gibt es heute noch Musiker in der Band, die von Anfang an dabei sind?

Abuela Coca:Ja, Alfredo der Gründer und Sänger, sowie Eduardo der Schlagzeuger.

blaubar.com:Neben Abuela Coca gehören auch Bands wie No Te Va Gustar und La Vela Puerca zur Speerspitze der Alternative-Latin-Bewegung. Wie grenzt Ihr Euch voneinander ab?

Abuela Coca:Was unsere Performance angeht, treten wir mit drei Sängern auf. Dies schafft deutlich mehr Aufmerksamkeit beim Publikum. Was unsere Arrangements angeht, klingen sie ein wenig mehr roots-lastiger, außerdem sind alle Bandmitglieder daran beteiligt. Erst wenn alle mit dem Song zufrieden sind, wird er ins Repertoire aufgenommen. Dies sind wichtige Unterschiede.

blaubar.com:Momentan seid Ihr auf Eurer zweiten, erfolgreichen Europa-Tournee. Seht Ihr Abuela Coca in erster Linie als Live-Band, da Ihr auch in Südamerika viel unterwegs seid?

Abuela Coca:Ja, mit Sicherheit. Aber wir werden auch im Studio besser und die CD-Veröffentlichungen sind dann wieder ein Grund für uns alle, überall und zu jeder Zeit live aufzutreten.

blaubar.com: Im November erscheint Eure vierte CD, erstmalig zuerst in Europa. Auf "dem Vierten der Alten" gelingt es Euch, die Energie Eurer Live-Performance auf dem Tonträger 1:1 umzusetzen. Was kann man sonst noch über die CD sagen?

Abuela Coca: Die Zusammenarbeit mit Übersee Records klappt hervorragend, sie sind sehr engagiert. Sie hatten 2003 bereits "El Ritmo Del Barrio" veröffentlicht und sind seither sehr kooperativ. Der direkte Kontakt zum Label ist viel intensiver als z.B. damals bei "Después Te Explico", der CD die wir 1998 bei Sony Music veröffentlichten. Ansonsten ist das Album recht vielfältig geworden. Wir sind ja alles studierte Multitalente, da fließt jede Menge Soundmix in unsere Musik ein.

blaubar.com: In der Tat. Brachiale Klänge beim Opener "El Empleado", Ska bei "El Penitente", klassische Instrumentierung inklusive Streicher auf "Se Duerme". Erstaunlicherweise klingt die Mischung dennoch homogen und immer nach Abuela Coca.

Abuela Coca: Trotz aller Vielfalt wollten wir wieder ein kompaktes Album abliefern. Dies ist uns gelungen. Es ist sicher für jeden Geschmack etwas dabei. Was die Produktion anging, haben alle an einem musikalischen Strang gezogen. Aber jeder der Musiker hat auch noch das ein oder andere Projekt am Start, da kann er sich dann ohne die Band musikalisch ausleben. Daneben gibt es dann auch immer mal wieder eine Zusammenarbeit mit anderen Bands, so wie 2004 mit Les Babacools, die uns spontan ins Studio einluden. Was unsere Erwartungen mit "El Cuarto De La Abuela" angeht: Wir wollen ein wenig bekannter werden und sovielen Fans wie möglich mit unserern Shows in Europa und anderswo eine Freude machen.

blaubar.com: Was bedeutet Euch die Teilnahme an Projekten wie "Mestizo Music", wo ihr aktiv die sozialen Bewegungen der Globalisierungs-Gegner und der Bürgerrechts-Bewegung unterstützt.

Abuela Coca: Natürlich ist dieses Statement wichtig für uns, in Uruguay gibt es täglich Migration in reichere Länder. Man muss sich als junge Generation mit den Problemen von Lateinamerika und der Globalisierung auseinandersetzen. Durch die Kombination von Engagement in sozialen Bewegungen & Musik kann man direkt an Veränderungen teilhaben.

blaubar.com: Da spielen natürlich auch die Lyrics eine große Rolle. Um was geht es denn inhaltlich bei Euren Stücken?

Abuela Coca: Mehrheitlich um eine poetische Beschreibung unseres täglichen Alltags. Dazu gehört natürlich auch Politik. Aber auch die Liebe, die Einsamkeit oder Gesellschaftskritik. Wir versuchen Unterhaltung und Information in unseren Texten zu verbinden.

blaubar.com: Wie sieht es denn dann abschließend mit den Plänen für das Jahr 2006 aus?

Abuela Coca: In erster Linie wollen wir touren. Soviel wie möglich, egal wo. Und aus dem ganzen Live-Material soll dann im kommenden Jahr eine Live-CD fertiggestellt werden.

blaubar.com: Danke für das Gespräch. Wir sehen uns dann beim Konzert am 22.11. im Morph Club/Bamberg.
Weitere Informationen zu Abuela Coca unter www.abuelacoca.net
Frank Keil



Katze
Punk Nicht Absolut!


Klaus Cornfield ist zurück! Der ehemalige Sänger von Throw That Beat In The Garbagecan hat in Berlin das deutschsprachige Trio Katze formiert. Für das Debütalbum "...von hinten!" konnte die Band das renomierte Label ZickZack gewinnen. In Sachen Musik bleibt sich Klaus treu. Er versucht gar nicht erst in radiotauglichen Pop abzudriften, sondern liefert Indie-Sounds mit Punk-Attitüde. So machen Anspieltipps Marke "Sie liebt HipHop" oder "Punks Not Dead" Lust auf die kommenden Auftritte. Grund genug für blaubar.com vor dem Auftritt am 02.10.05 in Bamberg/Morph Club das Fürther Multitalent zu interviewen und zugleich einen Blick hinter die Kulissen zu werfen.

Zur Erinnerung: 1986 gründete Klaus zusammen mit Gitarrist Olli Kolb in Nürnberg die Band Throw That Beat In The Garbagecan. Nach zwei LP-Veröffentlichungen zwischen Independent, Beat und Pop auf dem Label September Gurls wechselte das Sextett/Quintett 1991 zum Major EMI. Mit der CD "Cool" kam der Erfolg in Europa, den USA und Japan, nicht zuletzt durch MTVIVA. Ihre Art von ´Spielzeugpop´ und ´Lindgrencore´ hatte deutlich mehr zu bieten als kindlich-naiven Charme. Das unterstrichen sie als Throw That Beat! 1994 mit ihrem erfolgreichsten Album "Superstar". Spaß und Humor kamen dabei nicht zu kurz, musikalisch und textlich war man volljährig geworden. Nach einigen Soloprojekten folgte 1996 der ungewohnt rockige Abschied mit "Sex Tiger", die Band hatte trotz Produktion durch Clarence Öfwermann (Roxette) ihren Zenit überschritten. Frontmann Klaus Cornfield liess sich dadurch nicht entmutigen und setzte seine Karriere mit Solo-Aktivitäten ("Klaus Cornfield Comes" und "Sweet Dreams Of Anarchy") sowie als Comic-Zeichner (u.a.The Bates, Kranke Comics) fort. Zu "Klaus Cornfield Comes" sagt er: "Beschissene Aufnahmequalität, spontane Verspieler, zusammengestöpselte Zufallsinstrumentierungen, kurzum eine tolle Platte. ´Sweet Dreams Of Anarchy´ war dann noch persönlicher und gewagter. Beide sind per Download bei www.fuego.de wieder zu haben." Zurück in die Zukunft, 2005:

blaubar.com: Trotz deutscher Songs wird man aufgrund Deiner unverwechselbaren Stimme bei Katze an Throw That Beat! erinnert. Wird es eine Reunion geben?

Klaus Cornfield: Wir sind nicht im Streit auseinandergegangen und die anderen können ihre Instrumente bestimmt noch spielen. Es gibt keine konkreten Pläne, aber ich halte eine Wiedervereinigung nicht für unmöglich. Und EMI hat gerade die alten CD-Veröffentlichungen als Download zugänglich gemacht.

blaubar.com: Die Zeit nach 1997/98 war durch einige wichtige Stationen geprägt. Stichwort Eifel-WG, Köln und später Berlin. Was gibt es darüber Interessantes zu berichten?

Klaus Cornfield: Ich bin 1999 von Fürth aus in die Eifel gezogen, in die WG von Thomas D. Ansonsten: Auf riesigen Wiesen liegen und zeichnen, durch den Wald robben und Haushunde jagen, bandenweises Herumlungern in Großsupermärkten, Mitgliedschaft bei der Freiwilligen Feuerwehr, Beton zu Sportplätzen ausbreiten, Schweinchen mästen, Kühe kraulen, Musikmachen, Disconächte auf dem Land, Kranke Comics Nr. 6 & 7, 100 Folgen Fou-Fou & HaHa. Und "Sie liebt HipHop" habe ich auch dort geschrieben, es waren ja genug HipHopper da.

blaubar.com: 2001 ging es dann von der Eifel aus nach Köln. Ebenfalls eine prägende Zeit, oder?

Klaus Cornfield: Ja, dort habe ich meine damalige Freundin und heutige Musikerin Minki kennengelernt. Daneben das Übliche: Proberäume mieten, Musiker suchen und finden, Comics zeichnen (u.a. das Fou-Fou & HaHa-Buch bei Carlsen) und Plattencover entwerfen, Meerschwein adoptieren, Konzerte & Trickfilme, Zusammenarbeit mit MC Clueso und Ferris MC, Meerschwein begraben und Freundin verlieren.

blaubar.com: Und dann ging es 2004 in die Hauptstadt. Für Katze mit Sicherheit ein Schritt nach vorne.

Klaus Cornfield: Klar. Umzug von Köln nach Berlin, Prenzlauer Berg, wo die Plüschohren wohnen. Seitdem gehe ich immer noch der Zeichnerei nach, aber die Musik wächst wieder zu ungeahnter Bedeutung.

blaubar.com: Kommen wir auf die Bandbesetzung zu sprechen. Wer ist denn außer dir noch dabei und wieso hast Du Dich für Songs auf Deutsch entschieden?

Klaus Cornfield: An erster Stelle ist da Minki Warhol (Keyboards & Gesang) zu nennen, dann Schlagzeuger Daniel Schaub, den wir auch von Köln mit nach Berlin genommen haben. Deutsch, das bahnte sich schon länger an, ich konnte damit die Bilder in meinem Kopf musikalisch einfach besser umsetzen.

blaubar.com: Bist Du als Sänger/Gitarrist für alle Texte und die gesamte Musik zuständig?

Klaus Cornfield: Ja, bei fast allen Stücken der CD war dies so. Minki rümpft die Nase bis es perfekt ist und entwickelt in Ruhe ihren Teil. Wenn sie anfängt zu lächeln, weiss man, dass man was Gutes hat.

blaubar.com: Produktion und Label haben mit Sicherheit auch ihren Anteil am aufkommenden Erfolg von Katze. Was gibt es da zu berichten?

Klaus Cornfield: Alle Lieder haben wir schon vier Jahre live gespielt. Daher haben wir das Album in vier Tagen im Mamasweed-Studio eingeprügelt. Produzent Moses Schneider hat damit genau richtig gelegen, den Rest der Mischung aus Schmutz und Klang haben dann Torsten Otto, Michael Ilbert und Michael Schwabe veredelt. Und ZickZack ist sowieso Kult.

blaubar.com: Auf ...von hinten! gibt es mit Sicherheit das ein oder andere Lieblingslied. Wäre schön, wenn Du sie uns verraten würdest.

Klaus Cornfield: Die gewagteste Mischung aus Beschwerde und Kitsch ist "Der Brief". Es wird auch die erste Single des bei Alfred Hilsberg/ZickZack veröffentlichten Albums sein. Dazu gibt es als Remix auf der Single von Flowin Immo eine "Sie liebt HipHop"-Version. Und ein Stück wie "Herr Traurigmann" ist einer meiner Favoriten, immer gesucht, nie gefunden und nun selber gemacht. Und den Rest mag ich auch, es wäre ja bekloppt Musik zu machen, die man selber nicht leiden kann!

blaubar.com: Zu Throw That Beat!-Zeiten habt ihr auch immer wieder durch tolle Videos für Aufmerksamkeit bei Fans und Medien gesorgt. Wird es auch zum Katze-Album ein Video geben?

Klaus Cornfield: Zu "Der Brief" haben wir ein schönes Video gedreht. Dafür konnten wir mit der kleinen, aber feinen Firma www.bruno-tait.de aus Köln zusammenarbeiten.

blaubar.com: Abschliessend noch eine Frage zu Deiner Comic-Karriere. Besonders Deine Ü18-Comics erfreuen sich großer Beliebtheit. Was gibt es auf diesem Sektor Neues von Dir?

Klaus Cornfield: Nach drei Monaten Arbeit habe ich ein 36seitiges Katze-Comic fertiggestellt. Es wird vom Verlag Schwarzer Turm herausgebracht und auch als Fortsetzung im Intro veröffentlicht. Die Arbeit daran werde ich auch auf Tournee fortsetzten.

blaubar.com: Danke für das Gespräch, alles Gute für den Tourstart und dann bis zum 02.10.05 auf ein Tässchen Spass! Mehr zu Katze unter
www.katze-rock.de
www.transporterraum-produktion.de
www.whatssofunnyabout.de
Frank Keil (Text & Live-Foto)



Die Happy
Ein teuflisch wandlungsfähiger Mix aus Gefühl und Härte

Der Titel des im Jahr 2000 veröffentlichten Debütalbums "Supersonic Speed" war Programm. Das Quartett Die Happy etablierte sich seither zu einer der wichtigsten ´female fronted´ Rockbands in Europa. Sängerin Marta Jandová, Gitarrist Thorsten Mewes, Bassist Ralph Rieker und Schlagzeuger Jürgen Stiehle untermauerten diesen Status durch pausenlose Arbeit. Auch "Beautiful Morning" (2002) und "The Weight Of The Circumstances" (2003) waren der lautstark tönende Beweis, dass im Zeitalter der Medien-Hypes Talent, Willenskraft, Eigenständigkeit und musikalische Reife einer Band dabei helfen können, ganz nach oben zu kommen. 2004 legten Die Happy dann (mit zwei DVD-Veröffentlichungen im Gepäck) eine verdiente Pause ein, um sich im Anschluss voll und ganz auf die Produktion des neuen Albums "Bitter To Better" (Gun Records, V.Ö.:29.08.05) zu konzentrieren. Beim Sternenfestival in Burgebrach nutzen wir daher die Gelegenheit zum Gespräch mit Marta & Thorsten.

blaubar.com:Ursprünglich war das Quartett in der Nähe von Ulm beheimatet, mittlerweile lebt ihr voneinander entfernt in Hamburg, Berlin und Thun/Schweiz. Hat sich daraus eine neue Arbeitsweise ergeben? Die Happy: Ja. Früher haben wir nur im Proberaum geschrieben, heute arbeitet jeder erst im eigenen Heimstudio. Dann treffen wir uns, spielen Ideen vor, überarbeiten sie und machen daraus einen neuen Song. Die technischen Möglichkeiten ermöglichen uns diese Arbeitsweise. Es funktioniert, weil wir diszipliniert sind und bandinterne Entscheidungen fallen dadurch heute sogar leichter. Wir sind einfach älter geworden, haben neben der Musik noch andere Prioritäten und geniessen die gemeinsame Zeit im Studio, beim Videodreh oder auf Tour folglich doppelt.

blaubar.com: Als Produzent für "Bitter To Better" konnte der noch eher unbekannte Udo Rinklin gewonnen werden. Wieso fiel die Entscheidung gerade auf ihn? Die Happy:Ralph Quick hatte in der Vergangenheit gute Arbeit geleistet, die Zusammenarbeit mit dem Matrix-Team in Los Angeles fiel dagegen eher bescheiden aus. Marta hatte Udo durch das Projekt ´Zeichen der Zeit´ kennengelernt und so fiel die Wahl auf ihn, der eigentlich aus dem christlichen Pop-Bereich kommt. Wie sich nach einer Probeaufnahme herausstellte, fachlich und menschlich ein Volltreffer. Das vielschichtige Ergebnis, aufgenommen in der Nähe von Stuttgart, läßt unsererseits keine Wünsche offen. Von Stagnation also keine Spur, zudem steht das neue Label voll hinter uns.

blaubar.com: Ergaben sich durch die Zusammenarbeit mit Außenstehenden in punkto Songwriting neue Perspektiven? "I Am" von Diane Warren z.B., ist für mich eines der besten Stücke des Albums.Und wie sieht es mit den eigenen Texten aus? Die Happy: Mit Sicherheit sind die Gäste wichtig. Die erste Single "Big Big Trouble" wurde mit Hilfe von Jörgen Eloffson geschrieben, "If I Could Fly" entstand zusammen mit Peter Kvint. Die Schweden waren bereits auf dem Vorgänger dabei und haben uns maßgeblich weitergeholfen. Das angesprochene "I Am" hat gute Chancen als zweite Single ausgekoppelt zu werden. Der Großteil des Materials, Titel wie "In Love" oder "King For A Day" stammen ungeachtet dessen natürlich von der Band selbst und zeigen einen deutlichen Reifeprozess.

blaubar.com: Wurden auch im Hinblick auf die Intrumentierung neue Akzente gesetzt? Die Happy:Die Gitarre wurde etwas zurückgenommen, die Durschlagskraft der Riffs erhöht und der melodische Bass läßt die Stücke noch mehr grooven.Trotzdem haben wir nicht an Härte verloren, wie ein Titel Marke "In Love" (Martas favourite-Track) ganz einfach beweist. Insgesamt klingt unser viertes Album ausgereifter und selbstbewußter als die Vorgänger, es geht trotzdem ´back to the basics´.

blaubar.com: Aushängeschild bleibt aber die aus Prag stammende Powerfrau Marta. Ein Energiebündel, das nach wie vor betörend haucht, sexy singt und kraftvoll shoutet. Dabei wolltest Du doch eigentlich nie Sängerin werden, oder? Marta Jandová: Ich kam Anfang der 90er Jahre der Liebe wegen nach Ulm. Thorsten, mein damaliger Freund, überredete mich bei Die Happy zu singen. Am Anfang war es nur Spass, ich hatte nicht vor eine große Sängerin zu werden, obwohl ich aus einer Musikerfamilie stamme. Aber dann hat sich alles ganz anders entwickelt, aus jungen Hoffnungsträgern wurde über Jahre hinweg eine etablierte Band.

blaubar.com: Nicht zuletzt durch den engen Kontakt zum Publikum. Bis heute sind die Fans absolut begeistert von Euch, honorieren Eure Arbeit und verfolgen Eure Karriere mit echter Anteilnahme, was man z.B. live oder auf Eurer Webseite nachvollziehen kann. Die Happy: Der Kontakt zum Fan war und ist uns sehr wichtig. Ohne das Publikum geht gar nichts. Du brauchst gute Songs, sie müssen großartig vorgetragen werden, aber perfekt wird der Mix erst durch die Leute, die unsere Musik mögen. Sie honorieren einfach, dass wir keine von der Industrie zusammengestellte Retortencombo sind, sondern ehrliche, handgemachte Musik abliefern. In diese Richtung zielten ja auch unsere erfolgreichen Unplugged-Konzerte.

blaubar.com: Das neue Repertoire reicht von der Akustik-Ballade "Stranded" bis hin zur spannungeladenen Hymne "Bitter To Better" (dem Lieblingstitel von Thorsten). Im Herbst geht es damit wieder auf Tournee durch Deutschland und das benachbarte Ausland. Welche Ambitionen hat die Band 2005, auch in internationaler Hinsicht? Die Happy: Am Anfang haben wir überall gespielt, in jedem noch so kleinen Ort. Mittlerweile haben wir das Glück, dass die Fans zu uns kommen, auch in die großen Clubs und Hallen. Aber keine Sorge, es braucht niemand auf die gewohnte Party zu verzichten. "The Weihgt Of The Circumstances" war auf Platz 3 der nationalen Charts platziert, natürlich hoffen wir und alle Beteiligten mit "Bitter To Better" auf eine ähnlich tolles Ergebnis Ende August. Im Ausland ist die Konkurrenz sehr groß, England und die USA sind daher nicht unbedingt unser Markt. Japan ist unser nächstes Ziel, da wurde die letzte CD schon auf einem kleinen Label veröffentlicht, den Traum wollen wir uns noch erfüllen. Und Brasilien, da kommen immer wieder E-Mails von Fans, Marta hat dort zahlreiche Interviews gegeben, das wäre auch sehr interessant.

blaubar.com: Bei Stefan Raabs ´TV Total Bundesvision Song Contest´ konnte man Dich außerhalb von Die Happy erleben. Welchen Stellenwert hatte dieser musikalische Ausflug für Dich? Marta Jandová: Es war eine komplett andere Performance als mit Die Happy. Obwohl ich schon ein paar Titel auf Deutsch gesungen habe, war ich vor der Zusammenarbeit mit Apocalyptica wirklich nervös. Aber Thorsten, Ralph und Jürgen saßen im Publikum und haben mich mental unterstützt. Und so hat die ganze Sache einfach nur riesigen Spaß gemacht. Inteview: Frank Keil

Die Happy & Revolverheld - Nürnberg/Löwensaal - 30.10.05
Weitere Infos zu Die Happy, u.a. zum neuen Comic auf www.diehappy.de und www.gunrecords.de



Fiddler´s Green
Frischzellenkur zum Jubiläum

Seit 1990 sind Fiddler´s Green aus Erlangen für ihre Nichtbeachtung der herkömmlichen Folk-Grenzen bekannt. Mit "Celebrate!" (The 1000th Concert - Live At Burg Hoheneck), ihrem zehnten Album und der dazugehörigen DVD hat sich an ihrem fortschrittlichen Folkmenü wenig geändert. 17 Titel lang verpassen sie dem traditionellen irischen Genre auf CD eine Frischzellenkur, auf DVD sogar insgesamt 148 Minuten. Vor Tourstart stand Bassist Rainer Schulz dem plärrer Rede und Antwort.

"Die Bezeichnung ´Nu Folk´ ist up to date, aber man kann es auch weiterhin ´Irish Independent Speed Folk´nennen, was wir im Studio und auf der Bühne schaffen." So unterschiedlich wie diese sechs Typen ausssehen, so unbekümmert vermischen sie weiterhin musikalische Stilrichtungen wie Punk, Pop, Reggae oder Ska. Neben den Folk-Traditionals im Fiddler´s Gewand ("Blarney Roses"), den einfühlsam-melancholischen Balladen oder den Uptempo-Nummern Marke "Don´t Turn Away" fällt auf, dass für die Fiddler´s auch im 15. Jahr ihres Bestehens Vollgas angesagt ist. Für die beiden Konzertmitschnitte wurde deshalb ein ganz besonderes Jubiläum ausgewählt. Das 1000. Konzert wurde zusammen mit einem begeisterten Publikum im Juli 2004 auf Burg Hoheneck zelebriert. "Gastauftritte von Eric Fish (Subway To Sally), unserem Backliner Andre, der Menüpunkt ´At The Castle, die ´Green Cuts´ Bandgeschichte und die 20min Bonus des Bayerischen Fernsehens (1994-2002) machen die DVD zu etwas ganz Besonderem." Außerdem wird "Celebrate!" in leicht variierter Songauswahl auch als Live-CD erhältlich sein. "Die Dramaturgie von Album/DVD ist zwar schon durchdacht, aber der Sound wurde nicht weichgespült um Konzessionen an den Mainstream zu machen." Alles in allem ein kompromissloses, kraftstrotzendes und selbstbewußtes Statement von Fiddler´s Green, auf deren Live-Präsenz man ab März gespannt sein darf.

"Momentan sind wir fast täglich im Proberaum um neue Stücke zu üben. Bei den kommenden Konzerten wird es also nicht nur bekanntes Material zu hören geben, sondern auch schon neue Stücke" erläutert Rainer. Und was erwartet die Fans sonst noch? "Bei uns geht noch immer die Post ab, da treffen feucht-fröhliche Dance-Refrains keltischen Ursprungs auf kritische Alltagsbetrachtungen und politische Themen. Wir machen jeden Club mit ausgelassener Stimmung zum größten Pub der Stadt. Unsere handgemachte Musik, bei der es um Sehnsüchte, Gefühle, Träume und Erinnerungen geht, kann jeder im Publikum nachvollziehen.Sogar in Rußland, wo wir 2003 und 2004 für Konzerte waren." Wie lief die Völkerverständigung ab? "Die Kontakte kamen über eine Freundin zustande, die beim deutschen Konsulat im sibirischen Nowosibirsk arbeitet. Dort haben wir zwei Auftritte absolviert, einen Dritten gab es in der Erlanger Partnerstadt Wladimir. Die Stimmung bei den Konzerten war unglaublich, die Clubs gut besucht und in Novosibirsk gibt es sogar eine Fiddler´s Green-Coverband, die als Street Fiddler´s für die Bekanntheit unserer Stücke sorgen. 2004 war die Stimmung durch die Schul-Geiselnahme allerdings sehr getrübt."

Um die Aufmerksamkeit der breiten Masse auf sich zu lenken, sind Ausdauer, Talent, handwerkliches Können, erstklassiges Song-Material und natürlich eine mitreißende Live-Performance nötig. "Die jetzige Besetzung ermuntert uns alle, das Fiddler´s Unternehmen voller Energie auf unbestimmte Zeit fortzusetzen. Vor allem durch Liveauftritte, denn im Radio werden wir so gut wie gar nicht gespielt, allerhöchstens von ein paar Indie-Sendern. Natürlich liegt uns auch der internationale Aspekt am Herzen, es wäre schön z.B. in England oder USA eine Best Of-Fiddler´s Green zu veröffentlichen, um dort starten zu können. Die Schweiz und die Benelux-Statten haben wir immer im Programm, das nördliche Europa reizt uns extrem. Aber wir werden den deutschsprachigen Markt auf keinen Fall vernachlässigen. Und auch, wenn Rainer Schulz eigentlich mit den Fiddler´s Green voll ausgelastet ist, findet der angehende Vater Zeit, sich ab Frühjahr um Booking und Labelarbeit bei J.B.O. zu kümmern. "Wir leben alle von der Musik und durch abgeschlosssene Studien läßt sich immer der ein oder andere Euro hinzuverdienen." Er ist übrigens der Einzige in der Band, der alle 1000 Konzerte mitgespielt hat, Peter, Albi,Stefan waren gelegentlich mal krank und Tobias und Frank gehörten nicht zur Originalbesetzung. Wer also jetzt mal wieder mit dem Sextett Spass haben will, so wie 30.000 Gleichgesinnte beim letztjährigen Bardentreffen, findet aktuellen Tourdaten und weitere Infos (Fanclub, Flyer-Aktion, Spende für die Flutopfer,...) unter www.fiddlers.de

Frank Keil



Die Fantastischen Vier
Das Geheimnis des Fanta-4-Style

Man hatte längere Zeit nichts mehr gehört von Michi Beck, Smudo, And.Y und Thomas D., doch entpuppt sich ihr aktuelles Album "Viel" im Gegensatz zur langläufigen Meinung vieler Fans und Medien nicht unbedingt als typisches Comeback. Ein Blick hinter die Kulissen des Fanta Vier-Imperiums soll Klarheit schaffen. Für den plärrer sprach Musikredakteur Frank Keil anläßlich des Konzerts der Fantastischen Vier am 04.12. in der Nürnberger Arena mit Michi Beck.

plärrer:Ein neues Album ist so etwas wie ein neues Leben. Wie haben die Fantastischen Vier die letzten fünf Jahre seit der Veröffentlichung von "4:99" verbracht?

Michi Beck:Es war ja keine Auszeit im klassischen Sinn. Zunächst gab es die "MTV Unplugged"-CD aus der Balver Höhle im Sauerland und die dazugehörige Tournee, dann kümmerten wir uns um unsere Soloprojekte und last but not least gibt es bei unserer eigenen Firma Four Music mehr denn je zu tun. Und im Herbst 2002 haben wir schon zum ersten Mal an "Viel"gearbeitet.

plärrer:Den Bandgedanken habt ihr also nie aus den Augen verloren, trotz unterschiedlicher Wohnorte (Hamburg, Berlin, Eifel & Stuttgart). War es schwer, sich 15 Jahre nach der Bandgründung für ein neues Album gemeinsam zu motivieren und wie lief die heiße Phase ab?

Michi Beck:In Vorarlberg hatten wir im Oktober 2002 die Gelegenheit uns in einem Haus einer befreundeten Musikerfamilie zurückzuziehen. Da wurde reflektiert und Ideen gesammelt, dann hat jeder für sich geschrieben und getextet. Die Soloprojekte wurden abgeschlossen und im November 2003 ging es noch einmal für "Viel" nach Österreich.

plärrer:Wie begegnet man den Befürchtungen, sich nach den bisherigen, erfolgreichen Platten zu wiederholen oder für andere gar langweilig zu werden?

Michi Beck:Keiner von uns ist ausschließlich HipHop-Fan geblieben. Und das Geheimnis des Fanta-Vier-Style ist die eigene Handschrift. Wir sind vier Individuen, die sich durch ihre Soloarbeit und sonstige Aktivitäten eigenständig weiterentwickelt haben. Das gibt Selbstvertrauen und motiviert für die Herausforderung einer neuen, gemeinsamen CD.

plärrer:Mehr denn je dominieren auf "Viel" Melodien und eine kaum gekannte Stilvielfalt. Ist Euch heute besonders die Ausgeglichenheit zwischen Text und Musik wichtig?

Michi Beck:Die Single "Troy" hat uns bestätigt, wir sind auf dem richtigen Weg. Und "Viel" ist noch mehr geworden. Jedes Stück ist Schicht für Schicht gereift, Text und Musik wurden zu 100% aufeinander abgestimmt. Das Ergebnis ist eine Vielfalt aus HipHop, Soul, Pop und Dancefloor, die es so bei den Fantastischen Vier noch nicht zu hören gab. Und And.Y ist als Produzent ebenfalls zur Höchstleistung aufgelaufen.

plärrer:Von einem Lieblingstitel willst Du ja momentan gar nicht sprechen, wie würdest Du denn "Viel" im Kontext der bisherigen Alben der Fantastischen Vier sehen? Ihr habt auf Deutsch gerappt, als HipHop in Deutschland noch ganz am Anfang stand. Ihr konntet Carterfolge feiern, als das Genre noch Underground war.

Michi Beck:Jedes Album war bedeutend für die jeweilige Lebensphase der Band und ihrer Mitglieder. Nimm z.B. den Ausflug in Richtung Crossover mit den Megalomaniax oder den Meilenstein "Lauschgift" 1995. Auch die Zusammenarbeit mit eigener Band bei Liveauftritten oder die hochwertige Umsetzung unserer Videos gehören dazu. Wichtig dabei war, den Bandgedanken nie aus den Augen zu verlieren und im Fall von "Viel" das Bandfeeling wieder voll und ganz zu spüren.

plärrer:HipHop, Soul, Reggae und elektronische Musik sind die Eckpfeiler Eurer Firma. Four Music gilt als eines der innovativsten Label in Deutschland. Wie wichtig ist die Arbeit in Berlin für Dich und wie erfolgt generell die Auswahl der Künstler. Ich kann mir vorstellen, dass ihr schon alleine aus dem Kreise befreundeter Künstler mit Demos überhäuft werdet.

Michi Beck:Die Labelarbeit nimmt logischerweise viel Zeit in Anspruch. Thomas D und And.Y sind dabei eher stille Teilhaber, Smudo und ich bringen uns verstärkt ein. Daneben gehören unser Manager und Geschäftsführer zum engen Kreis beim Label. Gesignt wird in erster Linie nach persönlichen Kontakten und nach Geschmack. Dabei wird wie im Fall der Lemonbabies oder Zinnoba auch mal über die erwähnten musikalischen Grenzen geschaut. Und wenn dann noch Künstler wie Max Herre, seine Frau Joy Denalane oder Gentleman die Charts toppen, ist man wirklich glücklich.

plärrer:Was dürfen die Fans von der anstehenden Tournee erwarten?

Michi Beck:Wir werden dem Wunsch des Publikums nachkommen und Euch mit einem Best Of-Fanta Vier-Mix & vielen neuen Titeln ("Sommerregen") einen unvergesslichen Abend bereiten. Und was das Licht-und Bühnen-Design angeht, werden für die ein oder andere Überraschung sorgen, soviel kann ich jetzt schon verraten.

plärrer:Auf dem Eröffnungsstück "Bring It Back" rappt Sabrina Setlur. Vorbei also die Zeiten in denen der Konkurrenzkampf mit 3p/Pelham Power Productions hohe Wellen schlug? Und wie sieht es mit Verhältnis zum deutschen HipHop Marke Aggro Berlin aus?

Michi Beck:Zum Thema Frankfurt in "Bring It Back" passte sie ideal und hatte überhaupt keine Probleme mitzumachen. Mit 3 p sind die Fronten geklärt und die verstehen unsere Art von Humor mittlerweile komplett. Natürlich hören wir nach wie vor viel deutschen HipHop aus dem Underground und verfolgen die Entwicklung der Szene. Aggro Berlin mit Künstlern wie sido oder B-Tight ist neu und die Zukunft wird zeigen, ob sie sich längerfristig auf hohem Niveau etablieren können.

plärrer:Gibt es erste Pläne der Fantastischen Vier für das Jahr 2005?

Michi Beck:Ja, wir werden unsere Touraktivitäten verstärkt nach Osteuropa ausweiten und wollen in Ländern wie Polen, der Tschechischen Republik, Ungarn und Rußland unsere Show präsentieren.

plärrer:Danke für das ausführliche Gespräch und alles Gute für das Konzert in Nürnberg! Diskographie

Jetzt Geht´s Ab 1991
Vier Gewinnt 1992
Die 4. Dimension 1993
Lauschgift 1995
Live und Direkt 1996
4:99 1999
Unplugged 2000
Viel 2004

Frank Keil



9. Taubertal Open Air Festival
Rothenburg ob der Tauber/Eiswiese 13. - 15.08.2004


Zauber der Tauber mit H-Blockx

"Rothenburg, alter Städte Königin/Ob der Tauber stolz sie thront/Menschen ziehen in Scharen zu ihr hin/In so manchem Herz sie wohnt." Wenn Oberbürgermeister Herbert Hachtel gute Laune hat, singt er schon mal. Es ist aber auch zu schön:Mittelalterlicher Meilenstein der Geschichte, Romantik auf Schritt und Tritt. Und von der Stadt sind es nur ein paar Schritte in die Natur, wo man im August wieder ganz andere Lieder singt. Bundesweit etabliert, dank der bewährten Zusammenarbeit zwischen K.O.K.S. Promotion/Hannover & dem örtlichen Karo Veranstaltungsservice, hat die massive Medienunterstützung (u.a. Bayern 3) dazu geführt, dass das Taubertal zu Redaktionsschluss bereits ausverkauft war. Bei einer solch pittoresken Kulisse kommen auch Familien gerne. Mehr als 25 internationale Acts zwischen Berg und Tal, da vergehen die drei Tage wie im Flug. Auch in diesem Jahr stehen wieder fette Rock-Gigs auf dem Programm:Bloodhound Gang, The Darkness, Ärzte, Subway To Sally, Wir Sind Helden, H-Blockx u.v.a.. Aber auch die Stars von Morgen kann man erleben, beim Europa-Finale des Emergenza-Nachwuchswettbewerbs.

Zum wiederholten Mal sind auch die H-Blockx auf dem Taubertal Open Air zu Gast. Zehn Jahre sind seit ihrem Debüt-Album "Time To Move" vergangen. Seitdem ist der Begriff Crossover aus dem Vokabular der heimischen Musikszene nicht mehr wegzudenken. Mit harten Beats und fetten Riffs avancierten die Münsteraner zu internationalen Chartstürmern. Die Alben "Discover My Soul" (1996), "Fly Eyes" (1996), der Filmsoundtrack "Bang Boom Bang" (1999) und "Get In The Ring" (2002) unterstreichen dies mit Nachdruck. Trotzdem häuften sich die Probleme innerhalb der Band wie Sänger Henning Wehland bei unserem Gespräch zur aktuellen CD "No Excuses" verrät:"Aus privaten und gesundheitlichen Gründen mußte die Band in den letzten Jahren zahlreiche Besetzungswechsel verkraften. 2003 fiel dann die Entscheidung zum Weitermachen. Tim und ich formierten die H-Blockx neu, eine optimale Besetzung, die im Studio und auf der Bühne Höchstleistung bringt." Nachzuhören auf "No Excuses" inkl. Videoclip zur ersten Single "Leave Me Alone!", produziert im eigenen Studio. "Die neue musikalische Standortbestimmung ist uns geglückt, wir sind mit dem Resultat mehr als zufrieden. Es ging sozusagen ´back to the roots´, wir haben uns von allem getrennt, was uns den Spass an der Musik nahm." Wieder mit von der Partie/Party ist George Glueck, der die Band beim Debüt betreute, das musikalische Feuerwerk ihrer Stil-Fusion zündet aufs Neue. "Meine Texte zeigen die Band als kritische Beobachter, lassen aber auch Platz für eigene Interpretationen" ergänzt Henning. "Die Texte sind Fenster zur Persönlichkeit der Band. Es ist in textlicher und musikalischer Hinsicht ein Aufbruch zu neuen Ufern, ohne sich selber untreu zu werden. Gerade für diese Glaubwürdigkeit schätzen uns die Fans bis heute." Und in punkto Bühnen-Power macht Ihnen so schnell keiner was vor. Als Support für Bon Jovi und demnächst für Pink haben dies auch schon Weltstars erlebt. "Musik ist unser Lebensinhalt, davon wird man sich auf der Eiswiese zweifelsfrei überzeugen können. Da wird uns übrigens ex-Sänger Dave (der mittlerweile Lehrer ist) beim ein oder anderen Klassiker Marke "Risin´High". Dieses Open Air war immer etwas ganz Besonderes für uns." www.hblx.de

Nicht auf glühendem Asphalt, sondern inmitten ursprünglicher Natur geht hier die Party ab. Auf der einen Seite Hang, auf der anderen Wasser. Die dort hineingepresste Festival verleiht dem Ganzen einen besonderen Charme. "Freakig", so bringen es die Gäste auf den Punkt, "in Zeiten totaler Kommerzialisierung wird hier ein ursprünglicher Festivalgedanke aufrechterhalten." Nicht weiter verwunderlich also, dass das Festival mittlerweile als Geburtsorts des ´Sound For Nature´-Projekts mit einem Biozertifikat geadelt wurde, verpflichtet dem Natur- und Umweltschutz. Alle weiteren Informationen unter www.taubertal-festival.de

Frank Keil



Stray Cats
Die Rückkehr der legendären Rockabilly-Könige

Als die drei Schulfreunde Brian Setzer, Lee Rocker und Slim Jim Phantom 1979 die Stray Cats gründeten, konnte niemand ahnen, dass sie eine Welle des modernen Rockabilly lostreten würden. Durch die Kombination aus anspruchsvollen Rock´n Roll-Eigenkompositionen mit der Energie des Punk hauchten die drei US-Amerikaner einem totgeglaubten Genre weltweit neues Leben ein. Ihr schlicht "Stray Cats" betiteltes Debütalbum (1981) gilt bis heute über die Szene hinaus als richtungsweisender Klassiker, millionenfach verkaufte Alben folgten. Ende der 80er Jahre trennten sich die Bandmitglieder erstmalig, kamen Anfang der 90er für eine kurze Reunion zusammen, um dann vorläufig ihren vielfältigen Soloprojekten nachzugehen. Nach einer gemeinsamen Performance im Juli 2003 in Kalifornien beschlossen sie ein Comeback, dass die Stray Cats im Juli auf eine ausgedehnte/ausverkaufte Europatournee führt. Rechtzeitig dazu sprachen wir mit Brian Setzer (Gesang/Gitarre) und Lee Rocker (Gesang/Bass).
Über Mangel an Beschäftigung konntet Ihr auch nach dem Split der Stray Cats nicht klagen. Wie verlief Eure musikalische Entwicklung in den letzten 10 Jahren?
Brian Setzer:Ich habe mich in erster Linie der längst überfälligen Fusion aus Rockabilly & Big Band-Sound gewidmet. Mit dem von mir geleiteten Brian Setzer Orchestra war ich maßgeblich am Swing-Revival beteiligt und habe dafür sogar zwei Grammies bekommen.

Lee Rocker:Der ´spirit´ der Stray Cats blieb immer erhalten, auch wenn wir uns in der Vergangenheit nur sporadisch gesehen haben. Auch ich habe Solo-Alben wie "Burnin´Love (eine Best Of), bzw. "Bulletproof" aufgenommen und bin u.a. 2002 mit dem Elvis-Gitarristen Scotty Moore im Studio gewesen. Daneben habe ich Band, ein Quartett, mit dem ich regelmäßig toure, zuletzt mit sehr viel Spass sogar in Russland.
Was hat denn dann den Ausschlag für die erneute Reunion der Stray Cats gegeben?
Lee Rocker:Zum einen die Tatsache, dass die Band 2004 ihr 25jähriges Jubiläum feiert, zum anderen der besagte Reunion-Auftritt im letzten Jahr. Da wurde Brian, Slim Jim und mir klar, dass die Verbundenheit zu unserer Musik ein ganzes Leben lang hält. Es hat unendlich viel Spass gemacht, wieder zusammen auf der Bühne zu stehen und die euphorischen Reaktionen der Fans zu geniessen. Da blieb uns gar nichts anderes übrig, als das Comeback zu planen.
Was dürfen denn die Fans bei den vier Deutschland-Konzerten von Euch erwarten?
Lee Rocker:Eine abwechslungsreiche, musikalische Zeitreise, die in erster Linie aus Rockabilly und Rock´n Roll besteht. Nicht zuletzt die weltweiten Fans der Stray Cats haben uns zu den Stars gemacht, die wir bis heute sind. Über das jeweilige Programm haben wir noch gar nicht gesprochen, fest steht aber, dass es neben Stray Cats-Klassikern wie "Runaway Boys", "Rock This Town" oder "Rumble In Brighton" auch Cover von Carl Perkins, Gene Vincent und The Clash zu hören gibt. Bei unserer ersten Probe vor einigen Wochen waren wir selber überrascht, wie groß unser Repertoire doch noch immer ist. Wir wollen zusammen mit dem Publikum einen schönen Abend erleben. Jedes der vier Deutschland-Konzerte wird im Anschluss als Dankeschön an die Fans direkt als Live-CD erhältlich sein.
Anfang der 80er Jahre hat ja mit Sicherheit das Motto ´Sex, Drugs & Rock´n Roll´ auch das Tourleben der Stray Cats bestimmt. Wie sieht es denn heute damit aus?
Lee Rocker:Um ganz ehrlich zu sein, wir haben alle Frau und Kinder und da ist Dir Deine Gesundheit ganz wichtig. Meine Familie wird bei vielen der Auftritte in Europa dabeisein, zumal meine Kinder mich erst einmal mit den Stray Cats auf der Bühne erlebt haben. Aber die ein oder andere Zigarre und ein guter Scotch, dass wird schon drin sein.
Trotz aller Erfolge, denkt man nicht ab und zu über das Aufhören nach, um sich vielleicht ganz anderen Dingen des Lebens zu widmen?
Brian Setzer:Ich bin und bleibe ein echter Rock´n Roller mit der Liebe zu den Helden der frühen Jahre. Diese Musik ist mein Lebensinhalt und ich verdiene meinen Lebensunterhalt damit. Warum sollte ich diesen glücklichen Zustand ändern?

Lee Rocker:Dieser Aussage kann ich mich nur anschliessen. Ich möchte solange wie möglich auf der Bühne stehen und meine Musik spielen. Johnny Cash, Little Richard oder Jerry Lee Lewis, die haben es ja vorgemacht.
Weitere Informationen zum Comeback der Stray Cats unter www.briansetzer.com / www.leerocker.com / www.slimjimphantom.com
Frank Keil